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Test-Termine für neue Formel-E-Fahrzeuggeneration enthüllt

Venturi-Verkleidung(c)Venturi

Die Saison fünf der Formel E wartet mit zahlreichen Neuerungen auf. BMW steigt als Hersteller ein, ZF baut den Antriebsstrang für Venturi, Batterie und Chassis werden ganz neu konzipiert sein und sollen den bisher obligatorischen Fahrzeugwechsel ad acta legen. Seit der Premierensaison der Formel E 2014/15 müssen die Fahrer ihre Arbeitsgeräte während eines Rennens tauschen, da die Batterien noch kein ganzes Rennen durchhalten.

Den Energiespeicher, der die Formel E-Boliden zukünftig mit 54 kWh antreibt, stellt die britische Firma McLaren Applied Technologies her, für das neue Chassis zeichnet Spark Racing Technologies verantwortlich, die schon die aktuellen Chassis entwarfen. Neben leistungsstärkeren Akkus und einer neuen, unverwechselbaren Optik verbessert sich die Leistung und damit die Spitzengeschwindigkeit in der Formel E. 200 kW ist momentan die Höchstleistung, ab der fünften Saison flitzen die Elektroboliden dann mit bis zu 250 kW, rund 340 PS, um die engen Straßenkurse.

Als Termin für erste Testfahrten der neuen Fahrzeuggeneration ist der Oktober 2017 vorgesehen, wie ‚Motorsport.com‘ meldet. Damit müssen sich die zehn Teams länger auf die neuen Boliden zum Testen gedulden als ursprünglich vorgesehen war.

Eigentlich hätte zum 1. Oktober 2017 bereits die Auslieferung der Formel-E-Fahrzeuge an die Teams stattfinden sollen, doch die längere Suche nach einem geeigneten Batteriehersteller verzögerte die Fertigstellung der Fahrzeuge. Jetzt wird der Februar 2018 als erste gemeinsame Testsession aller Teams ins Auge gefasst.

Sechs Monate später, also im August 2018, erfolgt dann die obligatorische Homologation der neuen Fahrzeuggeneration. Gerade rechtzeitig für den Beginn der mit Spannung erwarteten Saison 2018/19.


FE: Neun Hersteller der FIA benannt, BMW mit dabei

BMW Headquarter München(c)EHirsch

Die Formel E befindet sich mitten in der dritten Saison, doch die Weichen für die Zukunft werden heute schon gestellt. Die FIA hat die Hersteller benannt, die ab Saison fünf ins Rennen gehen. Neun Hersteller hat die FIA offiziell zugelassen, darunter mit BMW der zweite deutsche Konstrukteur. Es war bekanntlich ein offenes Geheimnis, dass sich die Münchner stärker in die Formel E einbringen wollen. Mit einem eigenen Antriebsstrang strengt BMW immer mehr einen Werkseinsatz in der Elektrorennserie an.

Formel-E-Serienchef Alejandro Agag zeigt sich mit dem Neueinstieg von BMW hochzufrieden: „Die heutigen Neuigkeiten unterstreichen einmal mehr die Fülle und Qualität der Hersteller in der Formel E, die unsere ursprünglichen Erwartungen voll überstiegen haben. Es zeigt, wie relevant diese Meisterschaft für die Automobilbranche geworden ist und auch das Interesse neuer Zuschauer weckt sowie die Sponsoring-Partner wie zuletzt die Allianz anlockt.“
FIA-Präsident Jean Todt schlägt in die gleiche Kerbe: „Die Formel E hat sich in gerade einmal drei Jahren als eine der interessantesten und innovativsten Rennserien etabliert.“

Neben BMW schrieben sich weitere acht Hersteller ein. Mercedes ist nicht dabei. Der französische Hersteller DS geht mit einer eigenen Lizenz als Hersteller an den Start und trennt sich vom britischen Team Virgin. Anzunehmen ist, dass das Team um Eigner Richard Branson Kundenteam bei DS wird. Die Konstrukteure Jaguar Land Rover und Penske Autosport haben in der Herstellerliste ihre offiziellen Namen angepasst. Dazu kommen die altbekannten Hersteller Mahindra, NextEV Nio, Renault und Venturi. Beim Team Venturi zeichnet sich der deutsche Automobilzuliefere ZF für den Antriebsstrang in Saison fünf verantwortlich. Etwas überraschend auch, dass Audi namentlich nicht in der Herstellerliste auftaucht, obwohl die Ingolstädter dieses Jahr noch als Werksteam einsteigen. Hinter „ABT Formel E“ könnte sich das Triumvirat aus Audi, Schaeffler und ABT Sportsline verbergen. Es bleibt offen, ob der Name in dieser Form bestehen bleibt.

Neben den neun Herstellern gibt es zur fünften Saison Anpassungen beim Chassis und bei den Batterien. Letztgenannte werden den Teams einheitlich von McLaren Applied Technologies zur Verfügung gestellt mit einem Leistungsoutput von 54 kW. Dies soll den aktuell obligatorischen Fahrzeugwechsel ersatzlos streichen, eine der Grundvoraussetzungen für den Einstieg von BMW. Spark stellt den Teams dazu ein Einheitschassis an die Hand, um die Kosten nicht exorbitant steigen zu lassen. Die Homologation der Hersteller erstreckt sich übrigens auf drei Jahre.

Hier die Liste aller neun Hersteller für die Saison 2018/2019:
• ABT Formel E
• BMW AG
• DS Automobiles
• Jaguar Land Rover
• Mahindra Racing
• NextEV NIO
• Penske Autosport
• Renault
• Venturi Automobiles


FE: Venturis Franck Baldet im Interview

baldet-und-engel_Venturi (c)EHirsch

Franck Baldet ist Teamchef und Technischer Direktor beim Formel-E-Team Venturi. Unter seinen Fittichen starten der erfahrene Franzose Stephane Sarrazin und der deutsche Maro Engel für den monegassischen Rennstall. Baldet arbeitet seit sieben Jahren für Venturi, zuvor war er über neun Jahre bei Ferrari in verschiedenen Positionen tätig. Seit der zweiten Formel-E-Saison übernahm der 40-Jährige zunächst das Kommando bei Venturi und beerbte Nicolas Mauduit, der inzwischen zum Konkurrenz-Team Faraday Future Dragon abwanderte. Baldet war anfangs an der Seite des Technischen Direktors Luigi Mazzola Teamkoordinator von Venturi, seit Saisonbeginn übernahm er dessen Posten und stieg zum Technischen Direktor des Teams von Gründer und Teambesitzer Gildo Pallanca Pastor auf.

Kurz vor dem Marrakesh ePrix kam Franck Baldet mit seinem Schützling Maro Engel zu einem Sponsorentermin mit ROHM (verantwortlich für Venturis Inverter) nach München. Für uns die passende Gelegenheit, uns mit Baldet über die Besonderheiten der Formel E zu unterhalten. Im Interview spricht der Franzose über die Aufgaben und Beziehungen eines Teamchefs, welche Rollen Fürst Albert II. von Monaco und Gildo Pallanca Pastor für Venturi spielen, warum ein deutscher Zulieferer zur Leistung des monegassischen Teams beiträgt und wie er Neuzugang Engel einschätzt.

Herr Baldet, welche Hauptaufgabe hat ein Formel-E-Teamchef?

Meine Hauptarbeit besteht darin, alle Aktivitäten des Venturi-Teams zu koordinieren. Man bekommt von mehreren Seiten viele Ideen angetragen. Wenn man siegreich sein und ein perfektes Auto haben möchte, muss man in allen Bereichen in dieselbe Richtung zusammenarbeiten. Daher achte ich auf jedes Detail und schaue, dass alle Teammitarbeiter an einem Strang ziehen.

Wer trifft die endgültigen Entscheidungen im Venturi-Team, was Fahrerverpflichtungen, Personalgewinnung und so weiter betrifft?

Unser Präsident und Teambesitzer Gildo Pallanca Pastor ist der starke Mann im Team. Wir machen ihm Vorschläge und diskutieren über die Fahrerfrage oder Personaleinstellung. Letztendlich entscheidet Gildo, wer kommt und wer geht. Im technischen Bereich läuft es ähnlich. Wir machen ihm Angebote und Vorschläge, diskutieren gemeinsam über dieses und jenes, und letztendlich trifft unser Präsident die Entscheidung.

Wie viel hat Luigi Mazzola zum Erfolg des Teams beigetragen?

Luigi Mazzola arbeitet seit dieser Saison nicht mehr bei uns. Es war eine großartige Zusammenarbeit mit ihm. Man sieht, dass er die Leistung des gesamten Teams sehr verbessert hat. Wir haben im Vergleich zu den anderen Teams eine sehr junge Truppe und stellten mit ihm ein ganz neues Team auf. Der Dank gilt Luigi, der das Team formte und neue Harmonie ins Team brachte. Luigi hat seine Ziele erreicht, die Zusammenarbeit mit ihm war nicht längerfristig geplant.

Unter den Formel-E-Piloten herrscht allgemein ein sehr gutes Miteinander, und der Respekt unter den Fahrern ist sehr groß. Können Sie uns erklären, wie das Verhältnis im Formel-E-Paddock unter den Teamchefs ist?

Das Verhältnis ist genauso gut wie bei den Fahrern. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Ingenieure. Ich glaube, es ist die wichtigste und leidenschaftlichste Komponente in der Formel E. Es gibt eine positive Kommunikation untereinander. Natürlich verfolgen wir alle das große Ziel zu siegen und geben den anderen Teams keine Informationen. Aber das Wichtigste ist, dass ein sehr guter Spirit vorherrscht. Das ist das Besondere an dieser Meisterschaft. Wir sind sehr nah zusammen, helfen uns gegenseitig, wenn Probleme auftauchen. Wir haben alle das gleiche Chassis, viele gemeinsame Komponenten am Auto. Wenn ein Formel-E-Fahrer einen Crash hatte und Ersatzteile dafür braucht, die man momentan nicht zur Hand hat wie beispielsweise in Hongkong, kann man sich zu 100 Prozent auf die anderen Teams verlassen, die einem die Teile geben. Das ist der besondere Spirit der Formel E. Das ist schon wirklich einzigartig im Motorsport.

Können Sie uns verraten, welche Rolle Fürst Albert II. von Monaco für das Venturi-Team spielt? weiterlesen


Formel E: Maro Engel im Interview: „Ein-Tages-Format große Herausforderung“

 

Maro Engel_Venturi (c)Helmut Ulrich

Venturi-Pilot Maro Engel feierte beim Hong Kong ePrix eine erfolgreiche Premiere in der Formel E. Der 31-jährige Deutsche erzielte bei seinem Debüt in der Elektrorennserie mit Platz neun eine Top-10-Platzierung und war zudem schneller als sein erfahrener Teamkollege Stephane Sarrazin, der auf Platz zehn kam. Engel, der eine leichte Erkältung als Souvenir aus Hongkong mitnahm, sprach mit uns beim DTM-Saisonfinale in Hockenheim ausführlich über sein Formel-E-Debüt.

In Teil 1 des Interviews schildert uns Engel seine Eindrücke aus Hongkong, welche Fehler noch ausgemerzt werden müssen und warum sich der mögliche kommende Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg für die Technik der Elektrorennserie interessiert.

Maro, welche Erkenntnisse nimmst du nach deinem ersten ePrix mit? Warst du selbst überrascht, dass es zum Auftakt gleich so gut lief?

Überrascht ist vielleicht nicht das richtige Wort. Wir haben genau darauf hingearbeitet. Unser Ziel war es, ein sauberes Rennen und Qualifying hinzubekommen und in die Punkte zu fahren. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen. Es war ein gutes Auftaktrennen. Ich habe am Rennwochenende in Hongkong viel gelernt, denn es ist doch ein wenig anders als in anderen Rennserien. Es gibt sicherlich noch Sachen, die wir verbessern können. Ich muss aber auch sagen, dass das Rennergebnis sogar noch ein bisschen besser hätte ausfallen können. Mit dem Start und dem Ergebnis sind wir trotzdem zufrieden.

Welche Verbesserungsmöglichkeiten meinst du konkret?

Es gibt überall noch Bereiche, die wir verbessern können. Beispielsweise habe ich drei Sekunden beim Boxenstopp verloren. Das müssen wir auf jeden Fall optimieren. Die vielen Anpassungen, die wir während des Rennens vornehmen müssen und die großen Einfluss auf das Fahrverhalten haben, wurden nicht mit vollstem Risiko angegangen. Wir tasten uns daher weiter heran und lernen, um das nächste Mal noch besser aufzutreten. Ich erwarte schon, dass wir uns in diesem Bereich weiter steigern können, um aus dem Auto noch mehr herauszuholen. Für den Anfang sind wir aber sehr zufrieden.

Du bist sehr gut mit dem Energiemanagement umgegangen, hattest in der Schlussrunde noch gut sechs Prozent mehr Energie zur Verfügung als einige Konkurrenten. War da eine Schlussattacke geplant?

Ja, auf jeden Fall. Es war sehr, sehr knapp, ich lag am Ende nur eine halbe Sekunde hinter Oliver Turvey, der zwei Sekunden langsamer fuhr als ich. Es war wirklich sehr knapp, hat aber leider nicht mehr ganz gereicht. Der andere Fahrer war Jerome d’Ambrosio, der nur anderthalb oder zwei Sekunden vor mir ins Ziel kam. Diese beiden Plätze hätten wir uns gerne noch geholt. Es gab zwischenzeitlich ein kommunikatives Missverständnis bezüglich unseres Energie-Targets, daher sind wir unglücklicherweise mit sechs Prozent mehr Energie als nötig über die Ziellinie gefahren. Wie gesagt, es gibt noch ein paar Sachen, die man verbessern kann. Es war wichtig, dass wir beide Autos in die Punkte gebracht haben. Das war schon sehr schön.

Wir zufrieden bist du mit dem neuen Venturi-Antrieb?

Wir haben einen guten Schritt nach vorn gemacht und uns in vielen Bereichen verbessert. Wir wissen, dass wir weiteres Verbesserungspotenzial haben und das müssen wir versuchen auszuschöpfen. Es war ein sehr guter Start mit dem ersten eigens entwickelten Getriebe von Venturi.

Der FanBoost ging beim Hong Kong ePrix an andere Fahrer…

Da müssen wir uns etwas überlegen bei Venturi. Wir brauchen die geballte Power. Es müssen alle an einem Strang ziehen. Die Jungs, die vorne lagen, haben wahnsinnig viele Votes erhalten. Es war interessant, das zu sehen, wie so etwas abläuft. Ich kann nur den Appell starten, weiter fleißig für mich zu voten. Es hat zwar auch ganz gut ohne FanBoost geklappt, aber es ist trotzdem ein entscheidendes Thema in Sachen Performance. Mit FanBoost wäre es in Hongkong jedenfalls der achte Platz gewesen, soviel kann ich schon einmal sagen, da ich knapp hinter Turvey ins Ziel kam. Der FanBoost bringt schon einiges. Ich bin den Leuten, die für mich gestimmt haben, sehr dankbar und hoffe, dass noch viele, viele weitere Stimmen dazukommen.

Als Rookie warst du sicherlich erfreut, vor deinem Teamkollegen Stephane Sarrazin ins Ziel zu kommen, oder?

Absolut. Stephane hat sehr viel Erfahrung in der Serie. Er ist seit Anfang an dabei und in der letzten Saison als Meisterschaftssechster sehr gut unterwegs gewesen. Es war schon schön für mich, im Qualifying und im Rennen vor ihm zu liegen.

Hat dir Prinz Albert II. von Monaco, der bei Venturis Teampräsentation dabei war, zu deiner Leistung von Hongkong gratuliert?

Nein, ich habe nach Hongkong noch keinen Kontakt gehabt. Da muss ich mich wohl noch mehr anstrengen, um aufs Podium zu kommen. Wahrscheinlich muss ich sogar ein Rennen gewinnen (lacht).

Wie waren denn die Reaktionen der deutschen Fans auf dein Auftreten in Hongkong?

Das Feedback war sehr positiv. Ich habe von vielen Fans Glückwunsch-SMS, -Tweets und -Anrufe bekommen, es gab zahlreiche Kommentare auf den Social-Media-Seiten. Das freut mich natürlich.

Hat dir auch dein Freund Nico Rosberg gratuliert?

Es gab einen kurzen Austausch nach dem Rennen. Die Glückwünsche haben auf Gegenseitigkeit beruht. Er hatte ja mit dem Sieg einen fantastischen Grand Prix von Japan abgeliefert. An dem Wochenende lief es für uns beide sehr gut.

Tauschst du dich mit Nico auch über die Formel E aus?

Auf jeden Fall. Nico ist da sehr offen, er findet es sehr spannend. Wir haben uns darüber ausgetauscht. Wir reden schon darüber, wie es bei ihm ist und wie es bei mir ist. Gerade im Sommerurlaub, wo wir einige Tage gemeinsam verbracht haben, war die Formel E ein Thema. Das war genau der Zeitpunkt, als es bei mir mit der Elektrorennserie losging. Wir haben uns länger darüber unterhalten. Nico interessiert sich auch für die Technik, die dahintersteckt.

Wie kamst du mit dem Ein-Tages-Format zurecht, das ja auch Neuland für dich war?

Man hat einfach weniger Zeit. Dieses Format ist schon eine der großen Herausforderungen der Formel E. Es bleibt nicht viel Zeit nachzudenken oder zu analysieren. Es geht Schlag auf Schlag weiter. Das Format ist das Besondere an der Serie. Das ist sehr gut, da die Messlatte noch einmal höher liegt. Es macht alles etwas schwieriger und anspruchsvoller. Es ist eine tolle Serie mit tollen Fahrern. Ein Format, das den Fahrern alles abverlangt.

Herrscht im Qualifying eine gewisse Anspannung oder Nervosität, weil die eine schnelle Runde sitzen muss?

Grundsätzlich ist man immer ein bisschen nervös vor dem Qualifying und vor dem Rennen. Es ist ein normales Zeichen des Körpers, wenn das Ganze einem Fahrer etwas bedeutet. Wenn man sich viel vornimmt, ist die Nervosität immer dabei. Wichtig ist nur, das unter Kontrolle zu halten. Ich denke, es wichtig, dass Nervosität dabei ist, denn damit ist man ein Stück wacher. Schwierig ist das Qualifying auf jeden Fall, da man weiß, es gibt nur diese eine Runde. Man fährt mit einer erhöhten Leistung (200 kW), die man zuvor nur zwei Runden gefahren ist. Es ist nicht einfach und gehört zu den großen Herausforderungen der Formel E. Fahrerisch ist die Herausforderung wahnsinnig groß, weil man wenig Zeit hat, sich anzupassen. Es wird einem alles abverlangt. Die Konkurrenz ist sehr stark. Aber je größer die Herausforderung, desto höher der Spaßfaktor für mich.

Foto: Helmut Ulrich


FE: Maro Engel im Interview: „ZF wahnsinnig wertvoll“

maro-engel-und-fuerst-prinz-albert (c)Venturi

Die Formel E geht zur neuen Saison mit drei deutschen Piloten an den Start. Daniel Abt (ABT Schaeffler Audi Sport) und Nick Heidfeld (Mahindra, zuvor Venturi) sind bereits seit der Premierensaison dabei, Maro Engel hingegen feiert seine Formel-E-Premiere beim Saisonstart in Hongkong.

Der gebürtige Münchner ersetzt den Briten Mike Conway und tritt an der Seite des erfahrenen Franzosen Stephane Sarrazin für das monegassische Team Venturi an. Der 31-Jährige war bei der Team-Präsentation des neuen Venturi-Autos vergangene Woche im mondänen Prinzenpalast von Monaco dabei. Zu den Gästen zählten auch der regierende Fürst von Monaco, Prinz Albert II, und Formel-E-Boss Alejandro Agag.

Im Interview, das Eurosport-Kommentator Oliver Sittler freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, erzählt Engel, wie sehr er dem Saisonstart in Hongkong entgegenfiebert und welche positiven Veränderungen der neue Venturi gegenüber dem Vorsaisonfahrzeug erfahren hat. Außerdem schildert Engel die Zusammenarbeit mit Venturis neuem, starken Partner ZF aus Deutschland und weshalb der Mercedes-Werkspilot als Formel-E-Rookie für Venturi starten darf. Zum Schluss verrät Engel, wie sich das Formel-E-Auto beim Fahren anfühlt und welches Potenzial die Serie hat.

Auf was freust du dich am meisten in der Formel E?

Ich freue mich sehr auf den Saisonstart, dass es endlich losgeht. Es ist aufregend, da wir zum ersten Mal erleben, welches Team wo steht, welche Rangordnung es gibt und welches Team das beste Paket geschnürt hat.

Was ist neu am Venturi und was ist anders gegenüber dem Vorjahresfahrzeug?

Wir haben sehr viel an unserem Antriebsaggregat gearbeitet. Wir setzen ein neues Getriebe von Venturi ein, das sie selber entwickelten. Es hat zwei Gänge anstatt vier und vor allen handelt es sich um ein Karbon-Gehäuse, um das Gewicht noch einmal deutlich zu reduzieren. Das ist uns, so glaube ich, sehr gut gelungen. Es hat das Auto ein ganzes Stück leichter gemacht, nämlich 28 Kilo. Wir können jetzt am Gewichtslimit arbeiten. Das ist ein großer Bonus für uns, worüber wir glücklich sind. Wir haben damit einen großen Schritt nach vorne gemacht im Verhältnis zur letzten Saison.

Bei Venturi gibt es wieder einen deutschen Fahrer und mit ZF zusätzlich einen neuen deutschen Partner an Bord. Wie direkt spürst du ZF?

Wir haben dieses Jahr auch wieder die Sachs-Dämpfer an Bord, die schon letzte Saison Benchmark und Referenz bei den Topautos waren. Langfristig ist die Zusammenarbeit mit ZF wahnsinnig wertvoll. Die Möglichkeiten und die Ressourcen, die sie besitzen, sind einfach gigantisch. Insofern freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit ZF, die uns technisch weiterhelfen und für uns sehr wichtig sind.

Wie kommt es, dass du als Mercedes-Werkspilot für ein monegassisches Team starten darfst und willst?

Ich werde die Formel E zusätzlich zu meinem Engagement bei AMG und Mercedes AMG fahren. Ich habe von Mercedes die Freigabe erteilt bekommen und bin auch sehr dankbar darüber. Ich freue mich sehr, in beiden Serien zu starten.

Jaguar steigt als prominentester Hersteller schon jetzt in die Formel E ein, BMW kommt möglicherweise ab Saison fünf und Audi greift als Werksteam in Jahr vier an. Wann kommt Mercedes?

Die Frage ist besser an die Verantwortlichen bei Mercedes zu richten. Ich gehe davon aus, dass die Formel E bei Mercedes unter Beobachtung steht und die Entwicklung ganz genau beobachtet wird. Stand heute ist, dass ich aktuell Venturi-Fahrer bin und Mercedes nicht in der Formel E engagiert ist.

Welches Potential siehst du in der Serie Formel E?

Ich glaube, die Formel E hat ein sehr großes Potenzial. Wir alle wissen, dass die E-Mobilität ein Thema für die Zukunft ist und sie wird weiter wachsen. Der Rennsport gewinnt mit Elektrofahrzeugen immer mehr an Momentum. Man sieht heute schon, wie sich die Hersteller dafür interessieren und auch bereits eingestiegen sind. Das Thema ist sehr relevant. Aus Fahrersicht ist es ein sehr spannendes Thema. Es zwingt den Piloten, sehr intelligente Rennen zu fahren. Man muss immer Gas geben, darum geht es ja im Rennsport immer, aber man muss auch das Thema Energiemanagement in Betracht ziehen, um sehr clevere Entscheidungen zu treffen.

Wie fährt sich das Formel-E-Auto, unabhängig vom Energiesparen, im Vergleich zu anderen Formelautos bezüglich Gewichtsbalance vorne und hinten?

Es ist in seiner Grundcharakteristik einem Formel-3-Fahrzeug sehr ähnlich. Das Formel-E-Auto hat aber von der Gewichtsverteilung sicherlich mehr Gewicht hinten, da die Batterie zentraler Teil des Gewichts ist. Das muss man immer mit einbeziehen. Zusätzlich hat das Formel-E-Auto Reifen, die von normalen Slicks abweichen und trotzdem sehr viel Grip bieten. Vom reinen Fahrgefühl ist es daher einfach anders, der Fahrer muss sich darauf einschießen.

Fotocredit: Venturi


Formel E: Venturi und ZF feiern Partnerschaft

Venturi_ZF_Neu(c)Venturi
Der deutsche Automobilzulieferer ZF wird neuer Partner beim Team Venturi. Das Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen am Bodensee ist auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerktechnik spezialisiert. Venturi und ZF arbeiten zukünftig gemeinsam an der Entwicklung des Antriebsstrangs und anderer erlaubter Technologien innerhalb der Regularien der Formel E. Die zweite Generation des Venturi-Boliden soll mit zahlreichen Komponenten aus der Hand der Baden-Württemberger stammen. ZF arbeitet an dem Design und an der Entwicklung des Venturi-Antriebs für Saison fünf. Ab der Saison 2018/2019 erlaubt die Formel E nur noch ein Fahrzeug pro Piloten, der aktuell obligatorische Fahrzeugwechsel zur Rennhälfte gehört dann der Vergangenheit an.

Gildo Pallanca Pastor, Gründer und Präsident von Venturi ist voll des Lobes über ZF. „Als ich das erste Mal Venturi in die Formel E vertraglich festzurrte, hatte ich genau in meinem Kopf diese Art Partnerschaft, die wir jetzt mit ZF vereinbarten. Mein Ziel war es immer, unser Know-How in Elektrofahrzeuge einzubringen, verbunden mit dem Einsatz, der Arbeitskraft und dem Einfallsreichtum von größeren Automobilzulieferern. Mit ZF haben wir einen einsatzfreudigen, fähigen und hochmotivierten Partner gefunden.“ weiterlesen