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FE: Hans-Jürgen Abt: „Wir können kleine Nadelstiche setzen“

Hans Juergen Abt,FIA Formula E, Test Donington (c)ABT

Mit dem ersten Saisonsieg in der Formel E haben sich Lucas di Grassi und ABT Schaeffler Audi Sport wieder einen kleinen Schritt zurück in den Titelkampf gebracht. Im Interview spricht Teamchef Hans-Jürgen Abt über das dramatische Rennen in Mexiko, die Kräfteverhältnisse in der Elektro-Rennserie und seine Vorfreude auf die Rennen in Europa.

Wie haben Sie das Formel-E-Rennen in Mexiko erlebt?

„Als eines der spannendsten überhaupt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass gerade in den letzten Runden noch irgendjemand ruhig geblieben ist. Der Mexiko ePrix hat ein kleines Stück Formel-E-Geschichte geschrieben. Ich bin stolz, dass wir mit unserem Team einen Teil dazu beigetragen haben.

Wie konnte Lucas di Grassi vom 15. Startplatz und mit einem zusätzlichen Stopp dieses Rennen gewinnen?

„Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir mit einer guten Strategie nach vorn fahren – denken Sie zum Beispiel an Hongkong, wo Lucas vom 19. Startplatz aufs Podium gefahren ist. Aber in Mexiko haben Rennfahrer und Team ihr Meisterstück abgeliefert: die Mannschaft in der Box, weil sie den Mut zu einer äußerst riskanten Strategie hatte. Die Mechaniker, weil sie bei dem außerplanmäßigen Stopp cool geblieben sind. Und Lucas di Grassi, weil er top konzentriert, fehlerfrei und mit voller Kontrolle über den Energieverbrauch seine Runden gedreht hat.“

Wäre sein Teamkollege Daniel Abt von der Pole-Position, die er nachträglich verloren hat, auch ein Kandidat für den Sieg gewesen?

„Selbstverständlich. Nicht nur mir und dem ganzen Team, auch den Fans tut es leid für Daniel. Er hat im Qualifying einmal mehr eine Wahnsinnsleistung gebracht, seinen Teamkollegen zum dritten Mal im vierten Rennen geschlagen. Im Rennen hat er elf Positionen gutgemacht und mit Platz sieben Punkte geholt. Ich weiß, er mag es nicht mehr hören, aber: Der Knoten wird platzen und bald steht er ganz oben auf dem Podium.“

Das erste Drittel der Saison ist absolviert. Wie schätzen Sie die Kräfteverhältnisse in der Formel E ein?

„Genau so, wie es viele vor der Saison prognostiziert haben: Das Feld ist viel enger zusammengerückt, viele Teams haben sich enorm gesteigert, statt drei oder vier gibt es jetzt in jedem Rennen mindestens ein Dutzend Kandidaten für den Sieg. Wie erwartet ist die Werksmannschaft von Renault das Team, das es zu schlagen gilt. Aber wir sehen: Wenn wir hart arbeiten, niemals aufgeben und noch dazu ein bisschen Glück haben, dann können wir kleine Nadelstiche setzen. Wenn eine Chance kommt, wollen wir sie nutzen.“

Nach Gastspielen in Asien, Afrika, Süd- und Nordamerika kommt die Formel E im Mai nach Europa. Wie groß ist die Vorfreude?

„Riesig – und nicht nur bei uns, sondern auch bei vielen Fans, Medien und Partnern. Mit dem Rennen in Monaco nimmt die Formel E endlich richtig Fahrt auf, wir fahren dann vier Rennen innerhalb von vier Wochen. Ich bin mir sicher, dass die Serie dann noch mehr Interesse auf sich ziehen wird – nicht zuletzt, weil die TV-Übertragungen dann nachmittags laufen. Mit dem Wechsel von Eurosport zu DMAX erreichen wir außerdem viele neue Zuschauer.“

Einer der Höhepunkte sind die beiden Heimrennen in Berlin am 10. und 11. Juni. Wie gefällt Ihnen das neue Streckenlayout in Tempelhof?

„Ich bin überzeugt davon, dass die Fans in Berlin ein Mega-Event erleben werden. Die erste Reaktion unserer Fahrer auf das neue Layout ist durchweg positiv, das werden spannende Rennen mit vielen Überholmanövern und reichlich Action. Auch für die Fans ist das Areal in Tempelhof ideal: Sie erleben das ganze Programm der Formel E auf engstem Raum vor einer beeindruckenden Kulisse – und hoffentlich einen starken Auftritt des deutschen Teams.“

Parallel zu den aktuellen Rennen laufen schon die Vorbereitungen für die nächste Saison. Was ist der aktuelle Stand?

„Der aktuelle Stand ist, dass unsere Ingenieure und Mechaniker in den nächsten Wochen wenig Zeit für ihre Familien haben werden und viel unterwegs sind. Unser Plan bis zum Auftakt der neuen Saison steht, alle Tests auf der Strecke und auf Prüfständen sind geplant. Ende März haben wir in Spanien schon ein paar Kleinigkeiten ausprobieren können. Richtig los geht es dann in den Wochen rund um das Rennen in Berlin. Die Zusammenarbeit zwischen Audi, Schaeffler und ABT funktioniert gut – schön zu sehen, wie alle Seiten an dem gemeinsamen Ziel arbeiten, in der Formel E auch künftig eine gute Rolle zu spielen.“


FE: Nelson Piquet jr:“Mexico ein besonderes Rennen“

Nelson Piquet Jr - NextEV NIO Formula E Team_(c)NextEV

Der Formel-E-Champion aus der Premierensaison Nelson Piquet jr kommt immer besser in Schwung. Während in der abgelaufenen Saison es ein Jahr zum Vergessen für den Ex-Champion war, erzielte der Brasilianer zuletzt in Buenos Aires mit Platz fünf sein bestes Saison-Ergebnis. Schon beim Auftakt in Hongkong ließ Piquet jr mit der Super Pole aufhorchen und belegt aktuell im Gesamtklassement Platz neun. Im Interview vor dem Mexico ePrix spricht der NextEV-Pilot über seine Ziele für das Rennen, welche Streckenabschnitte er besonders mag und welchen Einfluß die mexikanischen Fans auf seine Leistung haben.

Welche Hoffnungen hast du für das Mexico-Rennen?

Piquet: „Es ist immer ein wenig schwierig genau zu wissen, wie es sein wird. Wie jedes Rennwochenende rechnen wir damit, dass es ein gutes wird. Jedes Rennwochenende ist eine Herausforderung, aber wir glauben, wenn alles past und wir in perfektes Rennen haben, können wir an die Top Drei anklopfen und versuchen, unser erstes Podiumsergebnis seit Saison eins zu erzielen.“

Welche Sektionen des Kurses magst du besonders oder sind sehr herausfordernd?

Piquet:: „Es gibt viele Bremspunkte in den Kurven wie die zweite oder die letzte Schikane. Wir versuchen Energie zu rekuperieren, diese Sektoren machen es allerdings ein bisschen schwierig. Der beste Abschnitt ist das Stadion vollgepackt mit den Zuschauern und du kannst die jubelnde Menschenmenge während des Rennens hören.“

Was glaubst du wird das aktuelle Auto unter Rennbedingen auf dem Kurs in Mexico leisten?

Piquet: „Es ist nicht so einfach auf dieser Strecke zu überholen. Wenn wir ein gutes Auto haben, sollte es machbar sein. Wenn die Strecke wegen der Temperature ein wenig leichter zu fahren ist, wird es ein wenig leichter für alle, lassen wir uns überraschen.“

Die mexikanischen Fans sind begeisterte Motorsportfans, wieviel beeinflußt dich das und deine Leistung im Rennen?

Piquet: „Es ist immer großartig, begeisterte Fans zu haben und die Formel E ist wirklich gut in Mexico im letzten Jahr aufgenommen worden. Für die Fans war es unglaublich. Nur in einem Formel-E-Boliden kannst du die Masse hören wenn sie jubeln. Daher ist es ein besonderes Rennen.“

Wie fokussierst du dich auf die Meisterschaft und was machst du während der ePrix?

Piquet: „Die Rennen waren im ersten Saisondrittel ziemlich weit verstreut, aber das beeinflußt meinen Fokus nicht. Ich kann es kaum erwarten im Auto in Mexico zu sitzen. Dann übersiedeln wir nach Europa, da sind die Rennpausen kürzer. Seit Buenos Aires ist es für mich ein ziemlich anstrengender Monat gewesen. Ich habe Testfahren im Hinblick auf die Langstreckenweltmeisterschaft (WEC) unternommen, wo ich auch dieses Jahr antrete. Dann habe ich mehrere Simulatortests mit NextEV Nio im Hinblick auf den Mexico ePrix absolviert.“


FE: [INTERVIEW 2/2] Daniel Abt: „Fahrerwechsel bei Techeetah verständlich“

Daniel Abt, Abt (c)Abt

Am Sonntag haben wir die erste Hälfte unseres Interviews mit Daniel Abt im Rahmen des jüngten Eurosport-Events veröffentlicht. Im zweiten Teil erzählt uns der deutsche Formel-E-Fahrer, wie beim letzten Lauf in Argentinien eine bessere Platzierung möglich gewesen wäre, und ob der FanBoost wirklich hilft. Ferner zeigt sich Abt beeindruckt von der Entwicklung seines YouTube-Kanals und seiner Wahl zum Sportler des Jahres in seiner Heimatstadt. Auch verrät er, wie er den Fahrerwechsel beim Team Techeetah (Gutierrez für Ma) einschätzt und was er von Felipe Massa in der Formel E halten würde.

Daniel, du bist in Buenos Aires Siebter geworden. Was wäre drin gewesen, wenn das Qualifying besser gelaufen wäre?

Fakt ist, dass ich dieses Jahr sehr, sehr stark bin auf eine Runde gesehen. Bis zum Zeitpunkt des Unfalls war ich zwei Zehntelsekunden schneller als mein Teamkollege Lucas (di Grassi). Eine bessere Zeit wäre möglich gewesen. Das Auto war sehr gut an diesem Wochenende, es war definitiv unser stärkstes Wochenende, was die reine Performance des Autos angeht. Von daher war es sehr ärgerlich und auch unnötig. Ich habe einen Tick zu viel gewollt. Im Nachhinein zu sagen, was dabei herausgekommen wäre, ist immer schwer und bringt auch nichts. Das Rennen war gut, denn es war wirklich hart, von da hinten (Startplatz 16) loszufahren, weil es in der Anfangsphase immer sehr knifflig ist am Ende des Feldes. Neun Positionen gutzumachen, damit kann ich schon zufrieden sein.

Auch dank FanBoost konntest du Robin Frijns, der dir fest im Nacken saß, hinter dir halten…

Ja, das stimmt. Ich habe mir das Rennen im Nachhinein noch einmal angesehen, und der Zeitpunkt, als ich den FanBoost gezündet habe, war die letzte Möglichkeit. Was oft nicht erklärt wird: Der FanBoost funktioniert nur mit mindestens 50 Prozent Batterie-Ladestand und unter 50 Prozent gibt es nicht mehr die volle Leistung des FanBoost. Das heißt, ich habe darauf gewartet, ob er zum Einsatz kommt und auch etwas bringt. Ich habe zu meinem Ingenieur gesagt, er solle bitte Bescheid geben, wenn die letztmögliche Runde kommt und wo es sinnvoll ist, und dann habe ich ihn halt gezogen, weil ich in dem Fall musste. Aber der FanBoost war nicht zwingend nötig, um Robin hinter mir zu lassen. Er war zwar an mir dran, aber technisch nicht wirklich eine Gefahr für mich.

Aber vermutlich ist es nicht gerade angenehm, wenn drei, vier Kollegen dich jagen, oder?

Nein, das ist absolut nicht angenehm. Was halt in der Formel E anders ist, ist das Thema Energiesparen. Das Problem ist: Man sieht nicht, was die anderen Fahrer gerade machen. Ich muss mit der Box kommunizieren und fragen, welche Strategie die anderen fahren. Oftmals kommt ein Fahrer angeflogen und überholt dich. Dann fragt man sich: Bin ich jetzt viel zu langsam, oder verbraucht der andere Fahrer zu viel Energie? Das war gerade in der Anfangsphase des Buenos Aires ePrix einige Male der Fall. Einige haben mehr Energie verbraucht, und ich hatte das Gefühl, gar nicht so schnell zu sein. Aber mein Energielevel war einfach besser. Ich konnte jeweils die letzten zwei, drei Runden eines Stints unheimlich viel Boden gutmachen, das hat mir ein wenig geholfen.

Du hast nun zweimal hintereinander den FanBoost gewonnen, hilft dir dabei auch dein eigener YouTube-Kanal?

Ich hoffe es. Ich gebe da wirklich Gas und nehme das sehr ernst. Der Kanal ist neben dem Rennfahren ein sehr wichtiges Projekt. Ich versuche dabei, den Leuten die Person Daniel Abt auf verschiedenste Art und Weise näherzubringen, aber auch den Motorsport. Ich versuche, die Formel E anders zu zeigen und dem Publikum bekannter zu machen. Wenn im Gegenzug die Leute Fans werden und dann auch für mich abstimmen, ist das eine sehr, sehr schöne Sache. Ich machen den Kanal aber nicht nur wegen des FanBoost, sondern weil ich Lust darauf habe. Es bereitet mir sehr viel Freude. Das Feedback, das ich bekomme, ist gigantisch. Was da in einem Jahr entstanden ist, ist für mich Motivation genug, da mit Vollgas weiterzumachen.

Daniel_Abt_Berlin_2015 (c)Erich Hirsch

Macht es dich stolz, „Sportler des Jahres“ in deiner Heimatstadt Kempten geworden zu sein?

Ja, das war eine sehr, sehr große Ehre für mich. Ehrlicherweise war das für mich überraschend, muss ich sagen. Damit habe ich gar nicht gerechnet, als es bekannt wurde. Es macht mich natürlich sehr stolz. Kempten ist eine Kleinstadt, hat aber einige sehr gute Sportler, zahlreiche Vereine und viele Personen, die sich in den verschiedensten Sportarten engagieren. So eine Auszeichnung bedeutet mir viel und macht mich schon sehr stolz.

Wie findest du die Entscheidung, die Formel-E-Übertragung von Eurosport zu DMAX zu verlegen?

Grundsätzlich kann ich das sehr schwer beurteilen, da ich selbst kein klassischer Zuschauer bin und die Rennen nie anschauen kann (lacht). Ich glaube, es ist wichtig, dass man den Sendeplatzwechsel richtig kommuniziert, sodass die Leute auch davon wissen. Ich glaube, es ist generell wichtig, dass man fernsehtechnisch mehr für die Formel E macht. Ich bin fest davon überzeugt, dass da Luft nach oben ist. Man muss es den Leuten schmackhaft machen und gewisse Dinge näher erklären. Man sollte nicht nur die Rennen zeigen.

Ab dem Mexiko-Rennen nächstes Wochenende ersetzt Esteban Gutierrez den bisherigen Piloten Ma Qing Hua bei Techeetah. Richtige Entscheidung?

Ja, ich finde es gut. So nett der Kollege auch ist, aber Ma ist nicht auf dem Niveau der anderen Piloten gefahren. Gutierrez hat damit sofort ein starkes Auto, und er ist ein Fahrer, der sehr gut ist und einen großen Namen hat. Er kommt jetzt zu seinem Heimrennen nach Mexiko. Ich glaube, das bringt schon etwas. Ich möchte dem Ma nichts absprechen, aber aus Teamsicht ist der Wechsel verständlich. Für Gutierrez ist die Formel E ein guter Schachzug.

Massa war lange als Fahrer für die Formel E im Gespräch. Würde er der Serie guttun?

Grundsätzlich ist es gut, einen Fahrer mit hoher Bekanntheit zu bekommen. Im Endeffekt ist es seine eigene Entscheidung, ob er Formel E fahren möchte oder nicht. In erster Linie muss es für Massa stimmen. Mir oder den anderen Fahrern brächte die Verpflichtung Massas in der Formel E nichts. Wir haben schon viele ehemalige F1-Fahrer, es ist aber auch wichtig, dass der Nachwuchs ebenso zum Zug kommt. Die Serie sollte nicht nur aus Ex-Formel-1-Fahrern bestehen. Man sollte den jungen Fahrern zeigen, dass sie auch in der Formel E Karriere machen können und nicht nur die Ex-F1-Piloten. Die gesunde Mischung macht’s.


FE: Daniel Abt im Interview: „Ich mag keine Doppelrennen“

Daniel Abt bei Eurosport(c)Eurosport Motorsport Launch

In München lud Sportsender Eurosport kürzlich Medienvertreter zur einem ‚Home of Racing’-Event ein. Neben diversen Serien der Zweirad- und Vierradszene war die Formel E ein Schwerpunkt des Abends. Dabei vertrat die Elektrorennserie, die in Deutschland exklusiv von Eurosport übertragen wird, der Kemptener Pilot Daniel Abt. Der junge Bayer ist einer von drei deutschen Piloten der diesjährigen Formel E und fährt bekanntlich für das einzige deutsche Team ABT Schaeffler Audi Sport. Wir hatten die Gelegenheit, uns mit Abt über die aktuelle Saison zu unterhalten. Im ersten Teil unseres zweiteiligen Interviews erzählt uns der 24-Jährige, warum er kein Liebhaber von Doppelrennen ist, warum er ein Rennen in Berlin am Alex nachtrauert und ob es bereits Testfahrten für Saison Vier gegeben hat. Außerdem verrät er uns exklusiv, was sich durch den Werkseinstieg von Audi im Abt-Team verändert und ob ihm bange wird um ein Cockpit im Audi-Team.

Berlin bekam kürzlich den Zuschlag für ein Doppelrennen. Bist du damit sehr zufrieden?

Abt: „Grundsätzlich ja. Es ist schön, dass Berlin der Formel E erhalten bleibt. Es ist schon mal gut, zwei Rennen in Berlin zu fahren. Ich persönlich bin allerdings nicht der größte Fan von zwei Rennen an einem Rennwochenende, das muss ich ganz ehrlich sagen. Für die Fans und den Leuten vor Ort ist es eine gute Sache und ein zumindest versöhnlicher Ausgang nach all dem Hin und Her.“
Es gibt neben Berlin mit New York und Montreal zwei weitere Locations mit Doppelrennen. Warum bist du kein Fan von zwei Rennen an einem Wochenende, ist es dir zu anstrengend?

Abt: „Nein, daran liegt es definitiv nicht. Man hat ein Rennen, ein Rennwochenende. Ich finde, es soll ein Ergebnis und einen Sieger pro Wochenende geben. Wenn es ein Doppelrennwochenende gibt, kann es sein, du gewinnst eines und bei einem Rennen fällst du aus. Man fährt nach Hause und weiß nicht genau, ob es ein gutes Rennwochenende war oder nicht. Was berichten die Zeitungen, welcher Fahrer war jetzt der Beste am gesamten Wochenende? Das ist ein bisschen schwierig, in der DTM ist es ja ähnlich. Daher finde ich es besser, ein Rennen pro Rennwochenende und einen Gewinner auf einer Rennstrecke und dann fährt man zur nächsten Rennstrecke. Ich habe aber mit zwei Rennen kein Problem.“

Lucas di Grassi, Daniel Abt (c)Abt

Du hast im Vorjahr in Berlin am Alex dein bestes Rennen mit Platz zwei abgeliefert. Bedauerst du den Umzug zurück gen Tempelhof?

Abt: „Ich bedauere es wirklich sehr. Letztes Jahr war für mich überhaupt eines der schönsten Rennen unabhängig vom Ausgang des Rennens, sondern wegen der Atmosphäre, der Stimmung, der Location. Das Wetter hat hervorragend mitgespielt. Ich fand es als ein stimmiges Event. Ich hatte wirklich das Gefühl, ich bin mitten in Berlin, es hat sich nach Berlin angefühlt. Man war mittendrin, ich bin immer vom Hotel zur Rennstrecke gelaufen. Ich musste immer durch die Menschenmassen durchlaufen, das sehr cool war. Tempelhof, klar es ist Berlin, vermittelt mir nicht dieses Flair, diesen Innenstadtcharakter, so wie es eigentlich zur Formel E gehört. Das ist natürlich sehr, sehr schade. Als ich gehört habe, dass einige Politiker zu wenig andere Probleme haben und sich dagegenstemmten, fand ich das sehr schade. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass wir wieder so ein Innenstadtrennen bekommen.“

In Berlin oder auch woanders in Deutschland?

Abt: „Ich könnte mir München auch sehr gut vorstellen. München wäre auch super geeignet. Ich habe es in Berlin sehr genossen. Ich glaube, Berlin ist eigentlich schon das richtige Aushängeschild, es ist die Hauptstadt und Berlin ist normalerweise offen für alle Sorten von Dingen. Aber es gibt dort auch Politiker, die nicht so offen sind, die das Event jetzt so verändert haben. Ich würde gerne wieder in die Innenstadt ziehen, aber man muss nehmen, was man hat.“

Blick in die Zukunft. Gibt es schon erste Testfahrten für Saison 4?

Abt: „Bis jetzt gab es keine Testfahrten, aber im Hintergrund passiert sehr viel. Man weiß ja, dass Audi als Werksteam an Bord kommt. Es verändert sich generell die Struktur, die Abläufe, viele neue Leute, die dazu stoßen. Da wird sich in den nächsten Monaten einiges tun. Auf der Strecke waren wir aber noch nicht beim Testen.“
Kannst du uns den signifikanten Unterschied erklären, wenn Audi als Werksteam einsteigt, wie sich das ‚Privatteam Abt‘ verändert?

Abt: „Das ist relativ leicht erklärbar. Manpower und Ressourcen. Klar gaben wir mit den Leuten, die wir jetzt an Bord haben, unser Bestes. Die sind alle sehr, sehr gut, das haben wir die letzten Jahre bewiesen. Aber im Endeffekt ist es immer eine Geldfrage, wenn man mehr entwickeln und erforschen möchte. Man hat mehr Manpower, kann bei den Tests mehr auswerten und hat eben mehr Möglichkeiten. Als Privatteam muss man sehr auf das Geld achten und sich fragen, ob das Ganze sinnvoll eingesetzt wird. Ein Hersteller hat da ganz andere Möglichkeiten. Wenn sie kommen, wollen sie natürlich gewinnen und dementsprechend können sie Geschütze auffahren.“

Hast du dadurch mehr Druck bekommen und hast du Angst um deinen Job fürs nächste Jahr?

Abt: „Der Druck ist immer da, von Haus aus und den mache ich mir selbst. Natürlich ist der im Hinterkopf, ich weiß, jetzt sehen mehr Leute zu, die von dir etwas erwarten. Ich möchte diese Erwartungen erfüllen, das ist klar und das ist mir auch wichtig. Ich habe keinen Jobangst, aber natürlich macht man sich Gedanken, was passiert. Man weiß nicht zwingend, wie meine Zukunft aussieht. Wie es weitergeht, ist noch nicht alles geregelt. Ich kann das momentan nicht wirklich beeinflussen. Es geht jetzt darum, allen Leuten bei Audi zu zeigen, dass ich sehr hart arbeite, dass man Ergebnisse erzielen will und dass man versucht, das ganze Team voranzubringen und das alle an einem Strang ziehen. Das ist meine Hauptaufgabe, auf die konzentriere ich mich. Alles andere wird die Zukunft zeigen.“

Fotocredit: Eurosport Motorsport Launch


FE: Lucas di Grassi: „Gutes Wochenende für uns“

lucas-di-grassi-mit-pokal(c)Audi

Audi-Werksfahrer Lucas di Grassi hat mit einem dritten Platz in Buenos Aires seinen zweiten Tabellenrang in der Formel E behauptet. Teamkollege Daniel Abt glänzte im dritten Saisonrennen der rein elektrisch betriebenen Formel-Rennserie mit einer Aufholjagd von Startplatz 16 auf Rang sieben.

Lucas di Grassi gab dem Team ABT Schaeffler Audi Sport schon im Zeittraining einen Grund zum Jubeln: Zum ersten Mal fuhr der Brasilianer in der Formel E auf den besten Startplatz und sicherte sich damit drei Extrapunkte. Im Rennen lief es bei knapp 30 Grad im Schatten zunächst nicht nach Wunsch: Di Grassi kämpfte mit starkem Übersteuern und fiel auf Rang fünf zurück. Nach dem Fahrzeugwechsel bei Halbzeit konnte der Brasilianer wieder attackieren und sich den dritten Platz auf dem Podium holen.

Audi-Werksfahrer Loïc Duval fuhr im Team von Dragon Racing auf Rang sechs. Daniel Abt musste sich nach einem Mauerkontakt im Zeittraining mit Startplatz 16 begnügen. Mit einem starken Rennen und einer guten Strategie des Teams kämpfte sich der junge Deutsche noch auf Rang sieben nach vorn und sicherte so wichtige Punkte für die Teamwertung.

Sie haben in Buenos Aires Ihre erste Pole-Position in der Formel E geholt. Hätten Sie sich da nicht mehr erhofft als Platz drei im Rennen?
Lucas di Grassi: „Ein Podium war das Maximum, das wir erreichen konnten. Wir haben mit dem dritten Platz und der Pole-Position insgesamt 18 Punkte geholt. Es war ohne Frage ein gutes Wochenende für uns, auch wenn wir noch eine Menge Hausaufgaben zu erledigen haben.“

Weshalb konnten Sie die anfängliche Führung nicht verteidigen?
Di Grassi: „Es ist offensichtlich, dass die Autos mit Renault-Antrieb vor und hinter mir schneller waren. Zudem fühlte sich mein erstes Auto recht seltsam an. Ich hatte relativ wenig Grip und viel mehr Übersteuern als erwartet. Ich konnte nicht mehr tun, als bis zum Autowechsel bei Halbzeit zu warten. Das zweite Auto war dann richtig gut, ich konnte Nico (Prost) überholen und auch etwas auf Jev (Jean-Eric Vergne) aufholen. Von Platz fünf noch auf Platz drei nach vorne zu fahren, war top. Mehr war nicht möglich.“

Sie liegen weiter auf dem zweiten Tabellenrang, aber der Abstand zu Tabellenführer Sébastien Buemi ist weiter angewachsen. Was können Sie dagegen tun?
Di Grassi:Auch im vergangenen Jahr war Seb (Buemi) überlegen. Aber er hat Fehler gemacht, die wir ausgenutzt haben. In dieser Saison hat er in den ersten drei Rennen keine Fehler gemacht. Wir werden natürlich weiter versuchen, den Rückstand auf Renault zu reduzieren. Aber in der laufenden Saison sind in der Formel E nur kleine Verbesserungen möglich. Einen großen Schritt kann man nur mit einer neuen Homologation machen – und die gibt es nur von Jahr zu Jahr. Wir arbeiten bereits am neuen Antrieb für Saison vier.“

Was ist bei den nächsten Rennen möglich?
Di Grassi:In Saison drei können wir nur versuchen, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Das ist mir bisher mit dem zweiten Platz in Hongkong, Platz fünf in Marrakesch und den 18 Punkten in Buenos Aires ganz gut gelungen. Wir müssen da sein, wenn die anderen Fehler machen. Dann können wir auch Rennen gewinnen.“

Sie haben in Buenos Aires Ihre erste Pole-Position in der Formel E geholt. Haben Sie damit gerechnet?
Di Grassi:Wir versuchen immer, das Maximum herauszuholen. Die Strecke hatte wenig Grip, mir ist eine gute Runde gelungen. Dass es die Pole-Position wurde, war eine schöne Überraschung. Es war toll, das Auto auf die Pole zu stellen.“


FE: Lucas di Grassi: „Start in neue Ära ist gelungen“

LUCAS DI GRASSI BEIM ERACE (C)AUDI

Das Formel-E-Team ABT Schaeffler Audi Sport ist virtuell in das neue Jahr gestartet: Lucas di Grassi und Daniel Abt haben beim mit insgesamt 1.000.000 Dollar dotierten Vegas eRace am Rennsimulator neue Erfahrungen gesammelt. Während Abt den neunten Platz im 30 Piloten starken Feld belegte, konnte di Grassi wegen eines technischen Defekts nicht im Hauptrennen starten. Trotzdem zieht der Brasilianer im Interview ein positives Fazit und blickt auf die Rückkehr auf die echte Rennstrecke voraus.

Die Formel E hat im Rahmen der Messe CES zum ersten Mal ein virtuelles Rennen am Simulator ausgetragen. Wie hat Ihnen das Vegas eRace gefallen?
Lucas di Grassi: „Es war eine tolle Idee und ein tolles Event. Wir haben mit dem eRace in einer spektakulären Umgebung eine ganz neue Zielgruppe erreicht und bestimmt viele für die Formel E und die Ideen dahinter begeistert. Der Start in diese neue Ära ist gelungen – die Organisation und die Präsentation waren eindrucksvoll. Jetzt müssen wir weiter daran arbeiten, die Abläufe und natürlich die Software weiter zu perfektionieren. Das ist wichtig, denn jeder – egal, ob Profi-Rennfahrer oder Fan – war hier in Las Vegas mit vollem Ehrgeiz dabei.“

Die vorderen Plätze haben die Simulator-erfahrenen Fans belegt, die sich zuvor online qualifiziert hatten, allen voran Bono Huis, der von der Pole-Position zum Sieg gefahren ist – das muss Sie als Profi-Rennfahrer doch ärgern?

Di Grassi: „Nein, überhaupt nicht. Uns Profis war schon vorher klar, dass wir es schwer haben werden – schließlich ist der Simulator mehr ein Spiel als ein echtes Rennauto. Die Fans verbringen zu Hause viele Stunden mit der Software und haben damit einen Vorteil, den wir auch mit unserer Rennerfahrung nicht so schnell ausgleichen können. Aber wir lernen schnell und die Technik entwickelt sich weiter – vielleicht sieht es beim nächsten Vergleich schon anders aus.“

Das nächste „echte“ Rennen startet am 18. Februar in Buenos Aires. Wie stehen die Chancen Ihrer Mannschaft in Argentinien?
Di Grassi: „Die Zielsetzung ist die gleiche wie immer: Wir wollen auch in Buenos Aires um den Sieg fahren und so viele Punkte wie möglich holen. Der Kurs sollte unserem Auto gut liegen, und auch unsere Ingenieure haben sich in der kurzen Winterpause nicht nur ausgeruht, sondern viele Details weiterentwickelt. Im Kalender der Formel E ist Buenos Aires so etwas wie ein kleines Heimrennen für mich. Ich freue mich also auf viel Unterstützung von Familie, Freunden und natürlich unseren Fans.“

Wie haben Sie selbst die kurze Weihnachtspause seit dem letzten Rennen in Marrakesch Mitte November verbracht?
Di Grassi: „Mit einem guten Mix aus Urlaub in meiner Heimat Brasilien, Training, Zeit mit Familie und Freunden, aber auch schon der Vorbereitung auf Buenos Aires. Ich freue mich, wenn es wieder auf die Rennstrecke geht und die Saison endlich ein bisschen mehr Fahrt aufnimmt.“

In der Gesamtwertung liegen Sie nach einem zweiten und einem fünften Platz ebenso wie Ihr Team auf der zweiten Position. Was ist in dieser Saison möglich?
Di Grassi: „Wir wollen wieder um den Titel kämpfen. Ob uns dieser Erfolg am Ende gelingt, ist nicht vorherzusagen, weil es von so vielen unberechenbaren Faktoren abhängt. Umso akribischer tun wir alles dafür, um von unserer Seite aus perfekt vorbereitet zu sein. Ich bin der Meinung, ABT Schaeffler Audi Sport hat den Titel verdient, denn jeder arbeitet seit Gründung der Rennserie mit vollem Einsatz dafür.“

Die Formel E befindet sich im ersten Drittel ihrer dritten Saison. Wie beurteilen Sie insgesamt die Entwicklung der Serie?
Di Grassi: „Die Formel E entwickelt sich schneller und besser als jede andere Serie in der Welt. Ich bin überzeugt davon, dass sie schon bald zu den bedeutendsten Kategorien gehört. Wir haben an den Tagen in Las Vegas beispielsweise die ersten Skizzen von dem neuen Auto gesehen, dass ab der fünften Saison zum Einsatz kommen wird – es sieht aggressiv und spektakulär aus. Dazu kommt die neue Generation der Batterie, die den Autowechsel überflüssig machen wird. Herstellern, Fans und Fahrern gefällt die Formel E schon jetzt sehr gut – und das wird sich in der Zukunft bestimmt noch steigern.“


FE: ZF strebt komplett eigenen Antriebsstrang für Venturi an

Norbert Odendahl, ZF (c)ZF

Das Team Venturi arbeitet seit dem Start der Saison 2016/17 intensiv mit dem deutschen Technologiepartner ZF zusammen. Die Monegassen um Teamdirektor Franck Baldet setzen bereits speziell entwickelte Hochleistungsstoßdämpfer von ZF Race Engineering bei Stepahne Sarrazin und Maro Engel ein.

Die ZF Race Engineering GmbH ist eine 100%-ige Tochtergesellschaft der ZF Friedrichshafen AG mit Hauptsitz im unterfränkischen Schweinfurt und beschäftigt derzeit ca. 90 Mitarbeiter. ZF Race Engineering entwickelt, produziert und vertreibt Stoßdämpfer, Kupplungen, Getriebe sowie weitere ZF-Produkte für verschiedenste Anwendungen im Bereich des weltweiten Motorsports. Rennserien wie die Formel 1, die Rallye-WM, die DTM oder die 24h von Le Mans bis hin zur innovativen, rein elektrischen Formel E vertrauen auf die High-Tech-Produkte von ZF.

Beide Unternehmen werden zukünftig auch in anderen Technologie-Bereichen harmonieren. Ziel der langfristig angelegten Partnerschaft ist die Entwicklung eines komplett neuen Antriebsstrangs für Saison fünf, der sowohl den Elektromotor als auch ein Getriebe umfasst.

Norbert Odendahl, Geschäftsführer bei ZF Race Engineering (ZFRE), engagiert sich mit Leidenschaft und Begeisterung für den Motorsport. Eurosport-Kommentator Oliver Sittler hat sich mit dem 45-jährigen Odendahl über die Formel E unterhalten. Dabei nennt der ZF-Verantwortliche die Gründe für den Einstieg bei Venturi, wie die künftige Kooperation mit den Monegassen aussieht, weshalb die Formel E und Pilot Maro Engel ein wichtiger Mosaikstein für ZF bedeutet und wie er die Formel E im Motorsport beurteilt.

Herr Odendahl, wie erfolgt die Unterstützung für das Team Venturi?

Norbert Odendahl: „Wir haben einen Dreistufenplan. In der ersten Stufe erfolgt die Belieferung der Dämpfer. Danach nehmen wir uns die Optimierung des Getriebes vor. In Saison fünf werden wir mit einem eigenen komplett entwickelten Antriebsstrang in die Formel E einsteigen und den Leuten mal zeigen, wo der Hammer hängt.“ weiterlesen


FE: Venturis Franck Baldet im Interview

baldet-und-engel_Venturi (c)EHirsch

Franck Baldet ist Teamchef und Technischer Direktor beim Formel-E-Team Venturi. Unter seinen Fittichen starten der erfahrene Franzose Stephane Sarrazin und der deutsche Maro Engel für den monegassischen Rennstall. Baldet arbeitet seit sieben Jahren für Venturi, zuvor war er über neun Jahre bei Ferrari in verschiedenen Positionen tätig. Seit der zweiten Formel-E-Saison übernahm der 40-Jährige zunächst das Kommando bei Venturi und beerbte Nicolas Mauduit, der inzwischen zum Konkurrenz-Team Faraday Future Dragon abwanderte. Baldet war anfangs an der Seite des Technischen Direktors Luigi Mazzola Teamkoordinator von Venturi, seit Saisonbeginn übernahm er dessen Posten und stieg zum Technischen Direktor des Teams von Gründer und Teambesitzer Gildo Pallanca Pastor auf.

Kurz vor dem Marrakesh ePrix kam Franck Baldet mit seinem Schützling Maro Engel zu einem Sponsorentermin mit ROHM (verantwortlich für Venturis Inverter) nach München. Für uns die passende Gelegenheit, uns mit Baldet über die Besonderheiten der Formel E zu unterhalten. Im Interview spricht der Franzose über die Aufgaben und Beziehungen eines Teamchefs, welche Rollen Fürst Albert II. von Monaco und Gildo Pallanca Pastor für Venturi spielen, warum ein deutscher Zulieferer zur Leistung des monegassischen Teams beiträgt und wie er Neuzugang Engel einschätzt.

Herr Baldet, welche Hauptaufgabe hat ein Formel-E-Teamchef?

Meine Hauptarbeit besteht darin, alle Aktivitäten des Venturi-Teams zu koordinieren. Man bekommt von mehreren Seiten viele Ideen angetragen. Wenn man siegreich sein und ein perfektes Auto haben möchte, muss man in allen Bereichen in dieselbe Richtung zusammenarbeiten. Daher achte ich auf jedes Detail und schaue, dass alle Teammitarbeiter an einem Strang ziehen.

Wer trifft die endgültigen Entscheidungen im Venturi-Team, was Fahrerverpflichtungen, Personalgewinnung und so weiter betrifft?

Unser Präsident und Teambesitzer Gildo Pallanca Pastor ist der starke Mann im Team. Wir machen ihm Vorschläge und diskutieren über die Fahrerfrage oder Personaleinstellung. Letztendlich entscheidet Gildo, wer kommt und wer geht. Im technischen Bereich läuft es ähnlich. Wir machen ihm Angebote und Vorschläge, diskutieren gemeinsam über dieses und jenes, und letztendlich trifft unser Präsident die Entscheidung.

Wie viel hat Luigi Mazzola zum Erfolg des Teams beigetragen?

Luigi Mazzola arbeitet seit dieser Saison nicht mehr bei uns. Es war eine großartige Zusammenarbeit mit ihm. Man sieht, dass er die Leistung des gesamten Teams sehr verbessert hat. Wir haben im Vergleich zu den anderen Teams eine sehr junge Truppe und stellten mit ihm ein ganz neues Team auf. Der Dank gilt Luigi, der das Team formte und neue Harmonie ins Team brachte. Luigi hat seine Ziele erreicht, die Zusammenarbeit mit ihm war nicht längerfristig geplant.

Unter den Formel-E-Piloten herrscht allgemein ein sehr gutes Miteinander, und der Respekt unter den Fahrern ist sehr groß. Können Sie uns erklären, wie das Verhältnis im Formel-E-Paddock unter den Teamchefs ist?

Das Verhältnis ist genauso gut wie bei den Fahrern. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Ingenieure. Ich glaube, es ist die wichtigste und leidenschaftlichste Komponente in der Formel E. Es gibt eine positive Kommunikation untereinander. Natürlich verfolgen wir alle das große Ziel zu siegen und geben den anderen Teams keine Informationen. Aber das Wichtigste ist, dass ein sehr guter Spirit vorherrscht. Das ist das Besondere an dieser Meisterschaft. Wir sind sehr nah zusammen, helfen uns gegenseitig, wenn Probleme auftauchen. Wir haben alle das gleiche Chassis, viele gemeinsame Komponenten am Auto. Wenn ein Formel-E-Fahrer einen Crash hatte und Ersatzteile dafür braucht, die man momentan nicht zur Hand hat wie beispielsweise in Hongkong, kann man sich zu 100 Prozent auf die anderen Teams verlassen, die einem die Teile geben. Das ist der besondere Spirit der Formel E. Das ist schon wirklich einzigartig im Motorsport.

Können Sie uns verraten, welche Rolle Fürst Albert II. von Monaco für das Venturi-Team spielt? weiterlesen


FE: Lucas di Grassi: ‚Franco ist intelligenter als ich‘

FIA Formula E, race 2 Marrakesch

ABT SCHAEFFLER AUDI SPORT FORMULA E TEAM, Daniel Abt, Lucas di Grassi (c)ABT

Lucas di Grassi zählt im Formel-E-Zirkus zu den absoluten Stars. Der Brasilianer kennt die Szene wie kein anderer, schließlich leistete di Grassi schon im Vorfeld, bevor die Elektroserie am 13. September offiziell startete, Pionierarbeit für die Formel E. Als Entwicklungsfahrer gab der heute 32-Jährige immens viel Input für den Einheitsboliden SRT_01 E, der in der Premierensaison 2014/15 bei allen Teams zum Einsatz kam.

Der Südamerikaner, der in der Formel E für das deutsche Team ABT Schaeffler Audi Sport fährt, ist inzwischen auch Serienbotschafter der Formel E und pilotierte den Elektroboliden bei zahlreichen Fahrevents wie etwa in Las Vegas oder zuletzt in Tokio für Schaeffler. Noch spektakulärer fuhr di Grassi mit dem Formel-E-Rennwagen im Sommer oberhalb des Polarkreises nördlich von Grönland, um auf die Erderwärmung aufmerksam zu machen. In der abgelaufenen Saison verpasste der Brasilianer um Haaresbreite den Formel-E-Titel, den er nunmehr in der dritten Saison ansteuert.

Wir haben den eloquenten Brasilianer zusammen mit Teamkollege Daniel Abt auf der Münchner Messe electronica getroffen, wo er uns am Messestand von Würth Elektronik eiSos ausführlich Rede und Antwort stand.

Im Interview redet di Grassi über seine schärfsten Rivalen im Titelkampf, warum er seinen Renningenieur für intelligenter hält als sich selbst, und wie es zu dem einzigartigen Projekt „Ice Drive“ in Grönland kam. Außerdem verrät er uns seine zukünftigen Pläne für die Zeit nach seiner Motorsportkarriere, und wie das FanBoost-Voting zukünftig erfolgen sollte.

Lucas, welche drei Piloten sind deine größten Konkurrenten im Formel-E-Titelkampf? Zählt Teamkollege Daniel Abt auch dazu?

Ja, Daniel zählt dazu. Ebenso wie Sebastien Buemi und Sam Bird. weiterlesen


FE: Eurosport-Experte Jan Seyffarth im Interview zur Formel E

formel-e-redakteur-erich-hirsch-und-jan-seyffarth (c)EHirsch

Wenn morgen ab 17:00 Uhr der zweite Saisonlauf der Formel E in Marrakesch (Marokko) beim deutschen Free-TV-Sender Eurosport live ausgestrahlt wird, sitzen Kommentator Oliver Sittler und sein Experte Jan Seyffarth wieder hinter dem Mikrofon. Der Münchner Sportsender überträgt alle zwölf Saisonrennen exklusiv in Deutschland und fasst die Höhepunkte der Rennwochenenden jeden anschließenden Dienstagabend im eigens produzierten 45-minütigen Formel-E-Magazin zusammen.

In der abgelaufenen Saison kommentierte Sittler die Rennen der Elektrorennserie noch mit Unterstützung des ehemaligen Audi-DTM-Piloten Timo Scheider als Experten. Diese Saison fungiert der 30-jährige Seyffarth als Co-Kommentator an der seiner Seite. Seyffarth ist selbst professioneller Rennfahrer und Instruktor (Mercedes AMG Driving Academy). Er bestritt im Mercedes SLS AMG GT3 die VLN-Langstreckenmeisterschaft 2016 und das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring.

Für uns Grund genug, uns mit Seyffarth beim DTM-Saisonfinale am Hockenheimring ausführlich über die Formel E und seinem Job als Experte bei Eurosport zu unterhalten.

Jan, wie kamst du zu dem Job als Co-Kommentator bei Eurosport?

Ich habe für Motorvision TV bzw. Sky bereits das ganze Jahr den Porsche Carrera Cup als Experte kommentiert. In der abgelaufenen Saison der Formel E durfte ich ein Rennen (Long Beach) mit Oli Sittler kommentieren. Ich habe mich damals, ehrlich gesagt, schwergetan. Der bisherige Experte Timo Scheider war auch für die neue Saison bei Eurosport eingeplant, doch er hat kurzfristig abgesagt. Dadurch habe ich seinen Platz eingenommen.

Ist es ein Vorteil, selbst noch aktiver Fahrer zu sein?

Ja natürlich. Ich kenne Maro Engel vom Venturi-Team, ein guter Freund von mir, und Felix Rosenqvist (Mahindra) durch unsere Mercedes-Beziehung sehr gut. Sie geben mir tiefe Einblicke in die Materie der Formel E. Daher kenne ich mich, was die technische Seite betrifft, sehr gut aus. Als Experte kommt es darauf an zu wissen, was für den Fahrer wichtig ist. Am Anfang habe ich mich sehr schwergetan, doch Maro hat mir einen super Einblick gegeben und alles detailliert erklärt. Es ist schon eine sehr coole Serie. Es sind so viele strategische Dinge zu beachten, im Auto ist harte Arbeit angesagt. Es geht nicht darum, nur im Kreis herumzufahren. Mein Anspruch ist, dem Zuschauer zu vermitteln, wie die Formel E abläuft, was der Fahrer machen muss, auf was er achten muss. Wenn ein Unfall passiert wie zum Beispiel beim Auftaktrennen in Hongkong, als der Führende in der Mauer landete, dann sind das technische Dinge, die dazu führten. Das versuche ich dem Zuschauer zu vermitteln.

Jan, wäre die Formel E etwas für dich, wenn dir ein Hersteller ein Angebot machen würde?

Für mich wäre die Formel E auf jeden Fall etwas, ich würde mich sicherlich freuen, wenn ich einen Fuß dort reinsetzen könnte. Aber es ist sehr, sehr schwierig, man muss sich einfach nur das Fahrerfeld vor Augen führen. Es ist phänomenal, was da angeboten wird. Wenn ich die Chance bekäme, so ein Auto zu testen, würde ich nicht nein sagen. Bis jetzt ist es noch nicht passiert, aber abgeneigt bin ich auf keinen Fall.

Mit Mercedes – dein Arbeitgeber besitzt ja die Option auf einen Formel-E-Einstieg – wäre die Connection da… weiterlesen