FE: [INTERVIEW 2/2] Daniel Abt: „Fahrerwechsel bei Techeetah verständlich“

Daniel Abt, Abt (c)Abt

Am Sonntag haben wir die erste Hälfte unseres Interviews mit Daniel Abt im Rahmen des jüngten Eurosport-Events veröffentlicht. Im zweiten Teil erzählt uns der deutsche Formel-E-Fahrer, wie beim letzten Lauf in Argentinien eine bessere Platzierung möglich gewesen wäre, und ob der FanBoost wirklich hilft. Ferner zeigt sich Abt beeindruckt von der Entwicklung seines YouTube-Kanals und seiner Wahl zum Sportler des Jahres in seiner Heimatstadt. Auch verrät er, wie er den Fahrerwechsel beim Team Techeetah (Gutierrez für Ma) einschätzt und was er von Felipe Massa in der Formel E halten würde.

Daniel, du bist in Buenos Aires Siebter geworden. Was wäre drin gewesen, wenn das Qualifying besser gelaufen wäre?

Fakt ist, dass ich dieses Jahr sehr, sehr stark bin auf eine Runde gesehen. Bis zum Zeitpunkt des Unfalls war ich zwei Zehntelsekunden schneller als mein Teamkollege Lucas (di Grassi). Eine bessere Zeit wäre möglich gewesen. Das Auto war sehr gut an diesem Wochenende, es war definitiv unser stärkstes Wochenende, was die reine Performance des Autos angeht. Von daher war es sehr ärgerlich und auch unnötig. Ich habe einen Tick zu viel gewollt. Im Nachhinein zu sagen, was dabei herausgekommen wäre, ist immer schwer und bringt auch nichts. Das Rennen war gut, denn es war wirklich hart, von da hinten (Startplatz 16) loszufahren, weil es in der Anfangsphase immer sehr knifflig ist am Ende des Feldes. Neun Positionen gutzumachen, damit kann ich schon zufrieden sein.

Auch dank FanBoost konntest du Robin Frijns, der dir fest im Nacken saß, hinter dir halten…

Ja, das stimmt. Ich habe mir das Rennen im Nachhinein noch einmal angesehen, und der Zeitpunkt, als ich den FanBoost gezündet habe, war die letzte Möglichkeit. Was oft nicht erklärt wird: Der FanBoost funktioniert nur mit mindestens 50 Prozent Batterie-Ladestand und unter 50 Prozent gibt es nicht mehr die volle Leistung des FanBoost. Das heißt, ich habe darauf gewartet, ob er zum Einsatz kommt und auch etwas bringt. Ich habe zu meinem Ingenieur gesagt, er solle bitte Bescheid geben, wenn die letztmögliche Runde kommt und wo es sinnvoll ist, und dann habe ich ihn halt gezogen, weil ich in dem Fall musste. Aber der FanBoost war nicht zwingend nötig, um Robin hinter mir zu lassen. Er war zwar an mir dran, aber technisch nicht wirklich eine Gefahr für mich.

Aber vermutlich ist es nicht gerade angenehm, wenn drei, vier Kollegen dich jagen, oder?

Nein, das ist absolut nicht angenehm. Was halt in der Formel E anders ist, ist das Thema Energiesparen. Das Problem ist: Man sieht nicht, was die anderen Fahrer gerade machen. Ich muss mit der Box kommunizieren und fragen, welche Strategie die anderen fahren. Oftmals kommt ein Fahrer angeflogen und überholt dich. Dann fragt man sich: Bin ich jetzt viel zu langsam, oder verbraucht der andere Fahrer zu viel Energie? Das war gerade in der Anfangsphase des Buenos Aires ePrix einige Male der Fall. Einige haben mehr Energie verbraucht, und ich hatte das Gefühl, gar nicht so schnell zu sein. Aber mein Energielevel war einfach besser. Ich konnte jeweils die letzten zwei, drei Runden eines Stints unheimlich viel Boden gutmachen, das hat mir ein wenig geholfen.

Du hast nun zweimal hintereinander den FanBoost gewonnen, hilft dir dabei auch dein eigener YouTube-Kanal?

Ich hoffe es. Ich gebe da wirklich Gas und nehme das sehr ernst. Der Kanal ist neben dem Rennfahren ein sehr wichtiges Projekt. Ich versuche dabei, den Leuten die Person Daniel Abt auf verschiedenste Art und Weise näherzubringen, aber auch den Motorsport. Ich versuche, die Formel E anders zu zeigen und dem Publikum bekannter zu machen. Wenn im Gegenzug die Leute Fans werden und dann auch für mich abstimmen, ist das eine sehr, sehr schöne Sache. Ich machen den Kanal aber nicht nur wegen des FanBoost, sondern weil ich Lust darauf habe. Es bereitet mir sehr viel Freude. Das Feedback, das ich bekomme, ist gigantisch. Was da in einem Jahr entstanden ist, ist für mich Motivation genug, da mit Vollgas weiterzumachen.

Daniel_Abt_Berlin_2015 (c)Erich Hirsch

Macht es dich stolz, „Sportler des Jahres“ in deiner Heimatstadt Kempten geworden zu sein?

Ja, das war eine sehr, sehr große Ehre für mich. Ehrlicherweise war das für mich überraschend, muss ich sagen. Damit habe ich gar nicht gerechnet, als es bekannt wurde. Es macht mich natürlich sehr stolz. Kempten ist eine Kleinstadt, hat aber einige sehr gute Sportler, zahlreiche Vereine und viele Personen, die sich in den verschiedensten Sportarten engagieren. So eine Auszeichnung bedeutet mir viel und macht mich schon sehr stolz.

Wie findest du die Entscheidung, die Formel-E-Übertragung von Eurosport zu DMAX zu verlegen?

Grundsätzlich kann ich das sehr schwer beurteilen, da ich selbst kein klassischer Zuschauer bin und die Rennen nie anschauen kann (lacht). Ich glaube, es ist wichtig, dass man den Sendeplatzwechsel richtig kommuniziert, sodass die Leute auch davon wissen. Ich glaube, es ist generell wichtig, dass man fernsehtechnisch mehr für die Formel E macht. Ich bin fest davon überzeugt, dass da Luft nach oben ist. Man muss es den Leuten schmackhaft machen und gewisse Dinge näher erklären. Man sollte nicht nur die Rennen zeigen.

Ab dem Mexiko-Rennen nächstes Wochenende ersetzt Esteban Gutierrez den bisherigen Piloten Ma Qing Hua bei Techeetah. Richtige Entscheidung?

Ja, ich finde es gut. So nett der Kollege auch ist, aber Ma ist nicht auf dem Niveau der anderen Piloten gefahren. Gutierrez hat damit sofort ein starkes Auto, und er ist ein Fahrer, der sehr gut ist und einen großen Namen hat. Er kommt jetzt zu seinem Heimrennen nach Mexiko. Ich glaube, das bringt schon etwas. Ich möchte dem Ma nichts absprechen, aber aus Teamsicht ist der Wechsel verständlich. Für Gutierrez ist die Formel E ein guter Schachzug.

Massa war lange als Fahrer für die Formel E im Gespräch. Würde er der Serie guttun?

Grundsätzlich ist es gut, einen Fahrer mit hoher Bekanntheit zu bekommen. Im Endeffekt ist es seine eigene Entscheidung, ob er Formel E fahren möchte oder nicht. In erster Linie muss es für Massa stimmen. Mir oder den anderen Fahrern brächte die Verpflichtung Massas in der Formel E nichts. Wir haben schon viele ehemalige F1-Fahrer, es ist aber auch wichtig, dass der Nachwuchs ebenso zum Zug kommt. Die Serie sollte nicht nur aus Ex-Formel-1-Fahrern bestehen. Man sollte den jungen Fahrern zeigen, dass sie auch in der Formel E Karriere machen können und nicht nur die Ex-F1-Piloten. Die gesunde Mischung macht’s.

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