FE: Daniel Abt im Interview: „Ich mag keine Doppelrennen“

Daniel Abt bei Eurosport(c)Eurosport Motorsport Launch

In München lud Sportsender Eurosport kürzlich Medienvertreter zur einem ‚Home of Racing’-Event ein. Neben diversen Serien der Zweirad- und Vierradszene war die Formel E ein Schwerpunkt des Abends. Dabei vertrat die Elektrorennserie, die in Deutschland exklusiv von Eurosport übertragen wird, der Kemptener Pilot Daniel Abt. Der junge Bayer ist einer von drei deutschen Piloten der diesjährigen Formel E und fährt bekanntlich für das einzige deutsche Team ABT Schaeffler Audi Sport. Wir hatten die Gelegenheit, uns mit Abt über die aktuelle Saison zu unterhalten. Im ersten Teil unseres zweiteiligen Interviews erzählt uns der 24-Jährige, warum er kein Liebhaber von Doppelrennen ist, warum er ein Rennen in Berlin am Alex nachtrauert und ob es bereits Testfahrten für Saison Vier gegeben hat. Außerdem verrät er uns exklusiv, was sich durch den Werkseinstieg von Audi im Abt-Team verändert und ob ihm bange wird um ein Cockpit im Audi-Team.

Berlin bekam kürzlich den Zuschlag für ein Doppelrennen. Bist du damit sehr zufrieden?

Abt: „Grundsätzlich ja. Es ist schön, dass Berlin der Formel E erhalten bleibt. Es ist schon mal gut, zwei Rennen in Berlin zu fahren. Ich persönlich bin allerdings nicht der größte Fan von zwei Rennen an einem Rennwochenende, das muss ich ganz ehrlich sagen. Für die Fans und den Leuten vor Ort ist es eine gute Sache und ein zumindest versöhnlicher Ausgang nach all dem Hin und Her.“
Es gibt neben Berlin mit New York und Montreal zwei weitere Locations mit Doppelrennen. Warum bist du kein Fan von zwei Rennen an einem Wochenende, ist es dir zu anstrengend?

Abt: „Nein, daran liegt es definitiv nicht. Man hat ein Rennen, ein Rennwochenende. Ich finde, es soll ein Ergebnis und einen Sieger pro Wochenende geben. Wenn es ein Doppelrennwochenende gibt, kann es sein, du gewinnst eines und bei einem Rennen fällst du aus. Man fährt nach Hause und weiß nicht genau, ob es ein gutes Rennwochenende war oder nicht. Was berichten die Zeitungen, welcher Fahrer war jetzt der Beste am gesamten Wochenende? Das ist ein bisschen schwierig, in der DTM ist es ja ähnlich. Daher finde ich es besser, ein Rennen pro Rennwochenende und einen Gewinner auf einer Rennstrecke und dann fährt man zur nächsten Rennstrecke. Ich habe aber mit zwei Rennen kein Problem.“

Lucas di Grassi, Daniel Abt (c)Abt

Du hast im Vorjahr in Berlin am Alex dein bestes Rennen mit Platz zwei abgeliefert. Bedauerst du den Umzug zurück gen Tempelhof?

Abt: „Ich bedauere es wirklich sehr. Letztes Jahr war für mich überhaupt eines der schönsten Rennen unabhängig vom Ausgang des Rennens, sondern wegen der Atmosphäre, der Stimmung, der Location. Das Wetter hat hervorragend mitgespielt. Ich fand es als ein stimmiges Event. Ich hatte wirklich das Gefühl, ich bin mitten in Berlin, es hat sich nach Berlin angefühlt. Man war mittendrin, ich bin immer vom Hotel zur Rennstrecke gelaufen. Ich musste immer durch die Menschenmassen durchlaufen, das sehr cool war. Tempelhof, klar es ist Berlin, vermittelt mir nicht dieses Flair, diesen Innenstadtcharakter, so wie es eigentlich zur Formel E gehört. Das ist natürlich sehr, sehr schade. Als ich gehört habe, dass einige Politiker zu wenig andere Probleme haben und sich dagegenstemmten, fand ich das sehr schade. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass wir wieder so ein Innenstadtrennen bekommen.“

In Berlin oder auch woanders in Deutschland?

Abt: „Ich könnte mir München auch sehr gut vorstellen. München wäre auch super geeignet. Ich habe es in Berlin sehr genossen. Ich glaube, Berlin ist eigentlich schon das richtige Aushängeschild, es ist die Hauptstadt und Berlin ist normalerweise offen für alle Sorten von Dingen. Aber es gibt dort auch Politiker, die nicht so offen sind, die das Event jetzt so verändert haben. Ich würde gerne wieder in die Innenstadt ziehen, aber man muss nehmen, was man hat.“

Blick in die Zukunft. Gibt es schon erste Testfahrten für Saison 4?

Abt: „Bis jetzt gab es keine Testfahrten, aber im Hintergrund passiert sehr viel. Man weiß ja, dass Audi als Werksteam an Bord kommt. Es verändert sich generell die Struktur, die Abläufe, viele neue Leute, die dazu stoßen. Da wird sich in den nächsten Monaten einiges tun. Auf der Strecke waren wir aber noch nicht beim Testen.“
Kannst du uns den signifikanten Unterschied erklären, wenn Audi als Werksteam einsteigt, wie sich das ‚Privatteam Abt‘ verändert?

Abt: „Das ist relativ leicht erklärbar. Manpower und Ressourcen. Klar gaben wir mit den Leuten, die wir jetzt an Bord haben, unser Bestes. Die sind alle sehr, sehr gut, das haben wir die letzten Jahre bewiesen. Aber im Endeffekt ist es immer eine Geldfrage, wenn man mehr entwickeln und erforschen möchte. Man hat mehr Manpower, kann bei den Tests mehr auswerten und hat eben mehr Möglichkeiten. Als Privatteam muss man sehr auf das Geld achten und sich fragen, ob das Ganze sinnvoll eingesetzt wird. Ein Hersteller hat da ganz andere Möglichkeiten. Wenn sie kommen, wollen sie natürlich gewinnen und dementsprechend können sie Geschütze auffahren.“

Hast du dadurch mehr Druck bekommen und hast du Angst um deinen Job fürs nächste Jahr?

Abt: „Der Druck ist immer da, von Haus aus und den mache ich mir selbst. Natürlich ist der im Hinterkopf, ich weiß, jetzt sehen mehr Leute zu, die von dir etwas erwarten. Ich möchte diese Erwartungen erfüllen, das ist klar und das ist mir auch wichtig. Ich habe keinen Jobangst, aber natürlich macht man sich Gedanken, was passiert. Man weiß nicht zwingend, wie meine Zukunft aussieht. Wie es weitergeht, ist noch nicht alles geregelt. Ich kann das momentan nicht wirklich beeinflussen. Es geht jetzt darum, allen Leuten bei Audi zu zeigen, dass ich sehr hart arbeite, dass man Ergebnisse erzielen will und dass man versucht, das ganze Team voranzubringen und das alle an einem Strang ziehen. Das ist meine Hauptaufgabe, auf die konzentriere ich mich. Alles andere wird die Zukunft zeigen.“

Fotocredit: Eurosport Motorsport Launch

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