FE: ZF strebt komplett eigenen Antriebsstrang für Venturi an

Norbert Odendahl, ZF (c)ZF

Das Team Venturi arbeitet seit dem Start der Saison 2016/17 intensiv mit dem deutschen Technologiepartner ZF zusammen. Die Monegassen um Teamdirektor Franck Baldet setzen bereits speziell entwickelte Hochleistungsstoßdämpfer von ZF Race Engineering bei Stepahne Sarrazin und Maro Engel ein.

Die ZF Race Engineering GmbH ist eine 100%-ige Tochtergesellschaft der ZF Friedrichshafen AG mit Hauptsitz im unterfränkischen Schweinfurt und beschäftigt derzeit ca. 90 Mitarbeiter. ZF Race Engineering entwickelt, produziert und vertreibt Stoßdämpfer, Kupplungen, Getriebe sowie weitere ZF-Produkte für verschiedenste Anwendungen im Bereich des weltweiten Motorsports. Rennserien wie die Formel 1, die Rallye-WM, die DTM oder die 24h von Le Mans bis hin zur innovativen, rein elektrischen Formel E vertrauen auf die High-Tech-Produkte von ZF.

Beide Unternehmen werden zukünftig auch in anderen Technologie-Bereichen harmonieren. Ziel der langfristig angelegten Partnerschaft ist die Entwicklung eines komplett neuen Antriebsstrangs für Saison fünf, der sowohl den Elektromotor als auch ein Getriebe umfasst.

Norbert Odendahl, Geschäftsführer bei ZF Race Engineering (ZFRE), engagiert sich mit Leidenschaft und Begeisterung für den Motorsport. Eurosport-Kommentator Oliver Sittler hat sich mit dem 45-jährigen Odendahl über die Formel E unterhalten. Dabei nennt der ZF-Verantwortliche die Gründe für den Einstieg bei Venturi, wie die künftige Kooperation mit den Monegassen aussieht, weshalb die Formel E und Pilot Maro Engel ein wichtiger Mosaikstein für ZF bedeutet und wie er die Formel E im Motorsport beurteilt.

Herr Odendahl, wie erfolgt die Unterstützung für das Team Venturi?

Norbert Odendahl: „Wir haben einen Dreistufenplan. In der ersten Stufe erfolgt die Belieferung der Dämpfer. Danach nehmen wir uns die Optimierung des Getriebes vor. In Saison fünf werden wir mit einem eigenen komplett entwickelten Antriebsstrang in die Formel E einsteigen und den Leuten mal zeigen, wo der Hammer hängt.“

Seit wann bereitet sich ZF auf die Formel E vor und wie läuft die Vorbereitung ab?

Odendahl: „Es war von Anfang an klar, dass wir uns in der Formel E engagieren wollen, da es eine mögliche Zukunft des Motorsports darstellt. Mit unserem breiten Spektrum, wo wir heute schon aktiv sind, würde das ein fehlendes Mosaikstein darstellen, den wir damit geschlossen haben. Am Anfang setzen wir Produkte ein, die wir selber produzieren, also die Stoßdämpfer, und mit der Eröffnung und Gründung der E-Mobility -Division in unserem Haus ZF war der Schritt naheliegend, dass wir uns im Bereich der Formel E und E-Mobilität stärker engagieren wollen.“

Arbeiten Sie bereits an der Entwicklung des Antriebsstrangs und simulieren Sie den Antrieb bzw. gibt es schon Hardware dafür oder erfolgt das erst später?

Odendahl: „Für Saison fünf sind noch ein paar Regularien noch nicht ganz abgeschlossen, bevor wir zum Testprogramm kommen. Es wäre aber fatal, wenn wir noch nicht angefangen hätten, die ganzen Parameter uns anzueignen und darauf unser Portfolio schon abzustimmen. Ich glaube, die Entwicklung eines wettbewerbsfähigen Antriebsstrangs wird sicherlich drei Jahre oder auch länger dauern. Uns ist sicherlich auch klar, dass wir weitere Designloops fliegen müssen, damit wir uns dauerhaft in der Formel e etablieren können.“

Maro Engel,Venturi (c)ZF,Spacesuit

Mit Maro Engel gibt es einen deutschen Piloten im Venturi-Team. Wie profitiert ZF davon?

Odendahl: „Ich glaube, wenn man das Thema Formel E präsentieren muss und wir sind ja ein deutsches Unternehmen, hilft uns auch sicherlich ein deutscher Fahrer. Man denkt da an Messen oder irgendwelchen Auftritten, wo es einfach schöner ist, wenn man einen deutschsprachigen Fahrer hat. Insgesamt muss ich sagen, der ganze Mix mit Venturi, Sarrazin und Engel passt perfekt zusammen. Ich glaube, wir haben hier ein Team gefunden, was hungrig genug ist, mit uns gemeinsam den Erfolg in den nächsten Jahren anzugehen.“

Wie schätzen Sie die Formel E als weltweite Motorsportserie ein?

Odendahl: „Ich glaube, es ist noch ein bisschen verfrüht und es wäre fatal nach zwei, drei Saisons zu sagen, es ist alles Toll oder alles Blöd. Wenn man sich mal überlegt, wie lang die Formel 1 dazu gebraucht hat, um dort zu sein, wo sie heute steht und schon mal war. Ich glaube, die Formel E hat zum ersten Mal eine realistische Chance als neue Rennserie weltweit für Furore zu sorgen. Das Konzept ist ein anderes, man hat nicht Copy/Paste gemacht, also nur elektrisch, sondern die Formel E geht anstatt auf den Rennstrecken in die Städte. Man spricht nicht nur den motorsportbegeisterten Zuschauer an, sondern die Jugend und packt das in ein gesamtheitliches Konzept mit dem Thema Formel E, e-Mobilität und Nachhaltigkeit. Ich glaube, dieses Konzept kann dauerhaft aufgehen.“

Wird ZF an den Rennstrecken in irgendeiner Form vertreten sein?

Odendahl: „Ja mit unseren Ingenieuren zur Abstimmung. Wir konzentrieren uns beim Thema Formel E rein auf das Team Venturi und nicht auf die Serie Formel E.“

Also gibt es auch keine Bespaßungszelte für Familien wie beispielsweise Hüpfburgen?

Odendahl: „Das war noch nie unser Anspruch. Wir zeigen Kompetenz bei den Produkten und lassen am besten Taten sprechen, sprich unsere Produkte im Fahrzeug anstatt Leute an die Rennstrecke zu locken und ‚Halligalli‘ zu machen.“

Hier seht Ihr ein Video von ZF als Technologiepartner des Teams Venturi:

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