FE: Venturis Franck Baldet im Interview

baldet-und-engel_Venturi (c)EHirsch

Franck Baldet ist Teamchef und Technischer Direktor beim Formel-E-Team Venturi. Unter seinen Fittichen starten der erfahrene Franzose Stephane Sarrazin und der deutsche Maro Engel für den monegassischen Rennstall. Baldet arbeitet seit sieben Jahren für Venturi, zuvor war er über neun Jahre bei Ferrari in verschiedenen Positionen tätig. Seit der zweiten Formel-E-Saison übernahm der 40-Jährige zunächst das Kommando bei Venturi und beerbte Nicolas Mauduit, der inzwischen zum Konkurrenz-Team Faraday Future Dragon abwanderte. Baldet war anfangs an der Seite des Technischen Direktors Luigi Mazzola Teamkoordinator von Venturi, seit Saisonbeginn übernahm er dessen Posten und stieg zum Technischen Direktor des Teams von Gründer und Teambesitzer Gildo Pallanca Pastor auf.

Kurz vor dem Marrakesh ePrix kam Franck Baldet mit seinem Schützling Maro Engel zu einem Sponsorentermin mit ROHM (verantwortlich für Venturis Inverter) nach München. Für uns die passende Gelegenheit, uns mit Baldet über die Besonderheiten der Formel E zu unterhalten. Im Interview spricht der Franzose über die Aufgaben und Beziehungen eines Teamchefs, welche Rollen Fürst Albert II. von Monaco und Gildo Pallanca Pastor für Venturi spielen, warum ein deutscher Zulieferer zur Leistung des monegassischen Teams beiträgt und wie er Neuzugang Engel einschätzt.

Herr Baldet, welche Hauptaufgabe hat ein Formel-E-Teamchef?

Meine Hauptarbeit besteht darin, alle Aktivitäten des Venturi-Teams zu koordinieren. Man bekommt von mehreren Seiten viele Ideen angetragen. Wenn man siegreich sein und ein perfektes Auto haben möchte, muss man in allen Bereichen in dieselbe Richtung zusammenarbeiten. Daher achte ich auf jedes Detail und schaue, dass alle Teammitarbeiter an einem Strang ziehen.

Wer trifft die endgültigen Entscheidungen im Venturi-Team, was Fahrerverpflichtungen, Personalgewinnung und so weiter betrifft?

Unser Präsident und Teambesitzer Gildo Pallanca Pastor ist der starke Mann im Team. Wir machen ihm Vorschläge und diskutieren über die Fahrerfrage oder Personaleinstellung. Letztendlich entscheidet Gildo, wer kommt und wer geht. Im technischen Bereich läuft es ähnlich. Wir machen ihm Angebote und Vorschläge, diskutieren gemeinsam über dieses und jenes, und letztendlich trifft unser Präsident die Entscheidung.

Wie viel hat Luigi Mazzola zum Erfolg des Teams beigetragen?

Luigi Mazzola arbeitet seit dieser Saison nicht mehr bei uns. Es war eine großartige Zusammenarbeit mit ihm. Man sieht, dass er die Leistung des gesamten Teams sehr verbessert hat. Wir haben im Vergleich zu den anderen Teams eine sehr junge Truppe und stellten mit ihm ein ganz neues Team auf. Der Dank gilt Luigi, der das Team formte und neue Harmonie ins Team brachte. Luigi hat seine Ziele erreicht, die Zusammenarbeit mit ihm war nicht längerfristig geplant.

Unter den Formel-E-Piloten herrscht allgemein ein sehr gutes Miteinander, und der Respekt unter den Fahrern ist sehr groß. Können Sie uns erklären, wie das Verhältnis im Formel-E-Paddock unter den Teamchefs ist?

Das Verhältnis ist genauso gut wie bei den Fahrern. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Ingenieure. Ich glaube, es ist die wichtigste und leidenschaftlichste Komponente in der Formel E. Es gibt eine positive Kommunikation untereinander. Natürlich verfolgen wir alle das große Ziel zu siegen und geben den anderen Teams keine Informationen. Aber das Wichtigste ist, dass ein sehr guter Spirit vorherrscht. Das ist das Besondere an dieser Meisterschaft. Wir sind sehr nah zusammen, helfen uns gegenseitig, wenn Probleme auftauchen. Wir haben alle das gleiche Chassis, viele gemeinsame Komponenten am Auto. Wenn ein Formel-E-Fahrer einen Crash hatte und Ersatzteile dafür braucht, die man momentan nicht zur Hand hat wie beispielsweise in Hongkong, kann man sich zu 100 Prozent auf die anderen Teams verlassen, die einem die Teile geben. Das ist der besondere Spirit der Formel E. Das ist schon wirklich einzigartig im Motorsport.

Können Sie uns verraten, welche Rolle Fürst Albert II. von Monaco für das Venturi-Team spielt?

Unser Team stammt aus Monaco. Wir repräsentieren Monaco weltweit. Wir promoten die Stiftung von Fürst Albert II. auf unseren Formel-E-Autos, daher stehen wir ihm so nahe. Und unser Präsident Gildo Pallanca Pastor ist außerdem mit ihm sehr gut befreundet. Für das Venturi-Team ist es wichtig, Fürst Albert II. zu zeigen, dass es auch in einem so kleinen Staat wie Monaco möglich ist, etwas Großartiges auf die Beine zu stellen. Wir arbeiten alle sehr hart. Der Fürst freut sich sehr über die neue Technologie. Sein wichtigstes, ökologisches Ziel zielt auf die Reduzierung der Luftverschmutzung ab. Er ist damit auf dem richtigen Weg. Das Venturi-Team unterstützt ihn in seiner Vision, die Erde zu schützen.

Und für das Venturi-Team ist es auch eine gute Werbung, Fürst Albert II. im Boot zu haben oder?

Es ist schon außergewöhnlich, dass wir den Fürsten dabei haben. Er verfolgt mit großem Interesse die Formel E. Er unterstützt das Venturi-Team. Wir erklären ihm die Herausforderungen dieser Meisterschaft und zeigen ihm, was diese Meisterschaft hervorrufen kann. Ja, es ist Motorsport und es sind Rennen, aber die Formel E beschleunigt die Forschung und Entwicklung für Serienfahrzeuge. Wir werden immer mehr Menschen auf diesen Planeten und von daher müssen wir mehr Energie einsparen. Mit der Formel E verbessern wir diese Technologie. Wir arbeiten immer daran, die Systeme noch weiter voranzubringen.

Franck Baldet und Maro Engel vom Venturi Team (c)EHirsch

Gibt es anlässlich des ePrix Monaco am 5. Mai 2017 besondere Aktivitäten?

Das ist eine gute Frage. Für Monaco und Fürst Albert II. ist dieser ePrix sehr wichtig. Es gilt, seine Vision der Mobilität zu promoten, so viel Luftverschmutzung wie nur möglich zu reduzieren. Wir werden auch unsere Autos präsentieren. Venturi ist kein Hersteller wie BMW, Renault oder Tesla. Das Hauptziel von Venturi ist, Spitzentechnologie zu promoten. Unsere Produkte sind Design-Schmuckstücke mit der besten Technologie. Wir müssen das nicht betonen, denn jeder weiß, dass Venturi die erste Firma war, die vor 15 Jahren begann, Elektroautos zu designen. Das war sehr innovativ.

Was halten Sie von Ihrem neuen Fahrer Maro Engel und welche Erwartungen haben Sie von ihren beiden Piloten in dieser Saison?

Stephane ist ein sehr wichtiger Fahrer für uns, da er sehr viel Erfahrung mitbringt. Er weiß, wie man ein Formel-E-Auto fährt. Seine Erfahrung und sein Wissen transportiert er ins Team. Wir wissen alle, dass es schwierig ist, ein Formel-E-Auto am Limit zu bewegen. Maro ist neu bei uns. Mit Stephane bildet er eine gute Kombination für das Venturi-Team. Auf der einen Seite einen erfahrenen Fahrer zu haben, auf der anderen Seite ein neues vielversprechendes Talent, das unsere Gesamtperformance weiter steigert. Sie diskutieren zusammen, sie fokussieren sich beide auf Details. Wir wissen, Details machen den Unterschied aus. Die Details sieht Stephane manchmal anders als Maro. Beide Inputs zusammen verbessern unser Team.

Nächstes Jahr gibt es eine Terminüberschneidung mit dem New York ePrix und der WEC am Nürburgring. Wo wird Stephane, der bekanntlich in beiden Serien engagiert ist, fahren?

Eine schwierige Frage. Stephane möchte mit Venturi fahren. Ich kenne persönlich das Programm von Stephane für das nächste Jahr nicht, ob er bei Toyota weiterfährt. Das Problem gibt es nicht nur für uns, sondern auch für mehrere andere Fahrer in der Formel E. Für beide Serien, WEC und Formel E, ist so eine Terminüberschneidung nicht gut. Und die Fahrer sind auch alles andere als glücklich über diese Tatsache. Als Team versuchen wir natürlich alles, so eine Terminüberschneidung zu verhindern. Das ist nicht sehr angenehm.

Sie haben mit ZF einen deutschen Technologiepartner im Team, wie läuft die Zusammenarbeit?

Wir haben ein längerfristiges Projekt mit ZF. Wir arbeiten mit ZF seit dieser Saison zusammen, etwa an den Dämpfern. Sie geben uns auch Hilfestellung bei der Getriebeeinstellung, um die Effizienz zu verbessern. Wir arbeiten also an der weiteren Effizienz des Getriebes, und Schritt für Schritt werden sie den kompletten Antriebsstrang bereitstellen. Letztendlich wird ZF die Hauptteile des Venturi-Autos liefern. Die Formel-E-Regularien erlauben bekanntlich nur die Weiterentwicklung des Antriebsstrangs. In Saison vier kommen von ZF mehr Teile des Inverters und des Getriebes. Die fünfte Saison wird sehr sportlich werden. Für Saison fünf wird es schon nächstes Jahr erste Testteile geben, da bleibt nicht mehr viel Zeit – eine große Herausforderung.

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