FE: Eurosport-Experte Jan Seyffarth im Interview zur Formel E

formel-e-redakteur-erich-hirsch-und-jan-seyffarth (c)EHirsch

Wenn morgen ab 17:00 Uhr der zweite Saisonlauf der Formel E in Marrakesch (Marokko) beim deutschen Free-TV-Sender Eurosport live ausgestrahlt wird, sitzen Kommentator Oliver Sittler und sein Experte Jan Seyffarth wieder hinter dem Mikrofon. Der Münchner Sportsender überträgt alle zwölf Saisonrennen exklusiv in Deutschland und fasst die Höhepunkte der Rennwochenenden jeden anschließenden Dienstagabend im eigens produzierten 45-minütigen Formel-E-Magazin zusammen.

In der abgelaufenen Saison kommentierte Sittler die Rennen der Elektrorennserie noch mit Unterstützung des ehemaligen Audi-DTM-Piloten Timo Scheider als Experten. Diese Saison fungiert der 30-jährige Seyffarth als Co-Kommentator an der seiner Seite. Seyffarth ist selbst professioneller Rennfahrer und Instruktor (Mercedes AMG Driving Academy). Er bestritt im Mercedes SLS AMG GT3 die VLN-Langstreckenmeisterschaft 2016 und das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring.

Für uns Grund genug, uns mit Seyffarth beim DTM-Saisonfinale am Hockenheimring ausführlich über die Formel E und seinem Job als Experte bei Eurosport zu unterhalten.

Jan, wie kamst du zu dem Job als Co-Kommentator bei Eurosport?

Ich habe für Motorvision TV bzw. Sky bereits das ganze Jahr den Porsche Carrera Cup als Experte kommentiert. In der abgelaufenen Saison der Formel E durfte ich ein Rennen (Long Beach) mit Oli Sittler kommentieren. Ich habe mich damals, ehrlich gesagt, schwergetan. Der bisherige Experte Timo Scheider war auch für die neue Saison bei Eurosport eingeplant, doch er hat kurzfristig abgesagt. Dadurch habe ich seinen Platz eingenommen.

Ist es ein Vorteil, selbst noch aktiver Fahrer zu sein?

Ja natürlich. Ich kenne Maro Engel vom Venturi-Team, ein guter Freund von mir, und Felix Rosenqvist (Mahindra) durch unsere Mercedes-Beziehung sehr gut. Sie geben mir tiefe Einblicke in die Materie der Formel E. Daher kenne ich mich, was die technische Seite betrifft, sehr gut aus. Als Experte kommt es darauf an zu wissen, was für den Fahrer wichtig ist. Am Anfang habe ich mich sehr schwergetan, doch Maro hat mir einen super Einblick gegeben und alles detailliert erklärt. Es ist schon eine sehr coole Serie. Es sind so viele strategische Dinge zu beachten, im Auto ist harte Arbeit angesagt. Es geht nicht darum, nur im Kreis herumzufahren. Mein Anspruch ist, dem Zuschauer zu vermitteln, wie die Formel E abläuft, was der Fahrer machen muss, auf was er achten muss. Wenn ein Unfall passiert wie zum Beispiel beim Auftaktrennen in Hongkong, als der Führende in der Mauer landete, dann sind das technische Dinge, die dazu führten. Das versuche ich dem Zuschauer zu vermitteln.

Jan, wäre die Formel E etwas für dich, wenn dir ein Hersteller ein Angebot machen würde?

Für mich wäre die Formel E auf jeden Fall etwas, ich würde mich sicherlich freuen, wenn ich einen Fuß dort reinsetzen könnte. Aber es ist sehr, sehr schwierig, man muss sich einfach nur das Fahrerfeld vor Augen führen. Es ist phänomenal, was da angeboten wird. Wenn ich die Chance bekäme, so ein Auto zu testen, würde ich nicht nein sagen. Bis jetzt ist es noch nicht passiert, aber abgeneigt bin ich auf keinen Fall.

Mit Mercedes – dein Arbeitgeber besitzt ja die Option auf einen Formel-E-Einstieg – wäre die Connection da…

Ob Mercedes den Startplatz einnimmt oder nicht, wissen wir alle nicht. Ich bin bei Mercedes AMG in vielen, vielen Dingen involviert. Aber soviel kann ich sagen, in der Formel E überhaupt nicht. Ich habe die Mercedes-Option auch aus der Presse erfahren. Was da genau passiert, wissen nur die Herren, die das zu entscheiden haben. Für die Formel E ist es natürlich hervorragend, wenn Audi, BMW, McLaren und Mercedes kommen, denn es belebt diese Rennserie. Anfangs wurde noch belächelt, dass Elektrorennautos im Kreis herumfahren. Mittlerweile hat die Formel E einen riesengroßen Stellenwert erreicht, was für die Hersteller enorm wichtig ist.

Wie bereitest du dich denn auf ein Rennen vor?

Hongkong war als erstes Rennen für mich als Co-Kommentator noch schwieriger als alle anderen Rennen. Ich habe viel mit den Leuten gesprochen, die in der Serie involviert sind, beispielsweise mit Maro Engel, aber auch mit Leuten von Schaeffler und ZF. Es ist wichtig, dass man einen Gesamtüberblick bekommt, was deren Prämisse ist und was sie damit erreichen möchten. Andererseits habe ich anhand von Bildern die Helme der Piloten bei den Testfahrten studiert. Dabei muss ich mir einprägen, welcher Helm zu welchem Fahrer passt.

Welche Rolle hat Oliver Sittler bei deiner Vorbereitung gespielt?

Mit Kommentator Oli Sittler habe ich mich am Abend vor dem Hong Kong ePrix getroffen, wir haben uns die Trainingssessions nachts gemeinsam angesehen, um einen Einblick zu bekommen, wie der Streckenverlauf ist. Wir haben nochmals kurz mit den Fahrern gesimst, mit Engel und Rosenqvist und mit Audis Motorsport-Pressechef Stefan Moser. Ich bereite mich auf jedes Rennen neu vor. Ich habe mich lange mit Maro unterhalten, was für Marrakesch wichtig ist. Auf was es dort ankommt. Von den Fahrern hört man in der Vorbereitung zu einem ePrix immer wieder: Energiehaushalt, Energiehaushalt, Energiehaushalt.

Welche Themen sind noch wichtig?

Ein bekanntes Thema ist die Batterietemperatur, mit der der Pilot haushalten muss. Das sind einfach die Dinge, die wichtig sind. Für mich ist noch entscheidend, welche Strategie die Teams verfolgen, welche Runde die beste für den obligatorischen Fahrzeugwechsel ist. Wie erreiche ich den besten Energiehaushalt und die beste Energienutzung, wenn ich mit dem Auto bei null Prozent in die Box rolle wie zum Beispiel Sam Bird oder Nick Heidfeld in Hongkong. Darüber reden wir. Für Maro war es wichtig, das Rennen durchzufahren und Erfahrung zu sammeln. Das macht einen cleveren Fahrer aus.

Was sagt denn Maro Engel, was das Schwierige am Batteriemanagement ist?

Das Batteriemanagement ist die größte Herausforderung für den Fahrer. Wie muss ich es timen, wann kann ich Vollgas fahren, wann muss ich Energie sparen, wann muss ich auf die Temperatur aufpassen und wann muss ich auf meine Bremstemperatur achten? Es sind so viele Faktoren, auf die man achtgeben muss. Maro sagte, so ein anstrengendes Rennen wie in Hongkong sei er noch nie gefahren. Jede Runde bekomme man vom Team Infos auf dem Display angezeigt, die man verarbeiten muss, die man genau zu timen hat, dass am Ende alles passt.

Oliver Sittler, Eurosport (c)Erich Hisch

Wie ist die Zusammenarbeit mit Oli Sittler während der Übertragung?

Es kommt alles spontan, wie man zusammenarbeitet. Man muss sich allerdings seiner Rolle bewusst sein, denn Oli führt durch das Programm. Ich muss das Gespür haben, wann mein Profikommentar wichtig ist. Man darf sich nicht ins Wort fallen, aber auch nicht zu ausschweifend kommentieren. Das geht nicht von heute auf morgen, das hört sich im Fernsehen immer so einfach an. Man muss es auf den Punkt bringen, prägnant, das ist meine Expertenmeinung dazu und dann zurück zu Oli.

Nimmst du Sprechunterricht?

Ich nehme jetzt keinen Unterricht, ich nehme aber ab und zu einen Text zur Hand und lese laut. Das macht ganz, ganz viel aus. Oli ist dank seiner professionellen Ausbildung eigentlich der beste Lehrer, den man haben kann. Er zeigt mir viele Dinge. Er macht die ganze Vorberichterstattung. Das klingt immer sehr einfach. Die Zusammenfassung wird gezeigt, und Oli spricht einen Live-Kommentar dazu. Ich merke von Mal zu Mal, wie es immer besser wird und ich weiterkomme. Das Feedback von Eurosport ist dementsprechend positiv, das freut mich natürlich. Am Renntag machen wir zusammen die drei Parts: 15 Minuten Vorberichterstattung, das Qualifying mit der Super-Pole und das Rennen. Alles, was davor oder danach passiert, also Vor- und Nachberichte, macht Oli alleine.

Könnte die Interaktion mit den Zuschauern während eines Live-Rennens bei Eurosport für zusätzlichen Reiz sorgen?

Wenn uns jemand während einer Live-Sendung Feedback gäbe, wäre das eine interessante Sache. Ich fände es super, Fragen zum Beispiel via Twitter zu beantworten, da ich selber so ein Social-Media-Freak bin. Ich glaube, es wäre einen Versuch wert, aber die Formel E ist sehr schnell geschnitten, dynamisch, ein schneller Wechsel folgt zwischen den Bildern. Und dann noch Fragen zu beantworten, das würde schwierig werden. Ich glaube nicht, dass man die Fragen zu 100 Prozent zufriedenstellend für den Zuschauer beantworten könnte.

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