WEC: Erster Matchball für Porsche im Kampf um die Hersteller-WM

Porsche 919 Hybrid (c)Porsche

Am 6. November steht der achte und vorletzte Lauf zur FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2016 auf dem Programm. Im vergangenen Jahr feierte Porsche in Shanghai den vorzeitigen Gewinn der Hersteller-Weltmeisterschaft, und in diesem Jahr ist die Titelverteidigung das Ziel auf dem chinesischen Formel-1-Kurs. Das Porsche Team hat mit den beiden 919 Hybrid bislang fünf Saisonsiege erzielt und führt derzeit im WM-Klassement mit 263 Punkten vor Audi (204) und Toyota (174). Wenn von den derzeit 59 Zählern Vorsprung nach dem Sechsstundenrennen noch 44 übrigbleiben, darf gefeiert werden.

Der seit 2004 von der Formel 1 befahrene Shanghai International Circuit ist 5,451 Kilometer lang. Er hat neun Rechts- und sieben Linkskurven, wobei die bekannte „Schneckenkurve“ zum Beginn der Runde als Doppelrechts zählt. Aus der Vogelperspektive erinnert die Streckenauslegung an das chinesische Schriftzeichen shàng, das mit „aufwärts“ oder „nach oben“ übersetzt wird und auch Teil des Städtenamens Shanghai ist. Die Strecke liegt rund 40 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums. Das Rennen startet am 6. November um 11:00 Ortszeit (04:00 Uhr in Deutschland).

Audi-Ausstieg:
Den Verlust von Audi als großartigen Wettbewerber ab der WEC Saison 2017 bedauert Porsche ganz außerordentlich. Porsche wird wie geplant die gesamte Saison 2017 in der WEC bestreiten. Schon die aus dem bisherigen Engagement gewonnenen Erkenntnisse und Innovationen für die Serie sind immens. Dies gilt insbesondere für die 24 Stunden von Le Mans.

Vor allzu großer Euphorie im diesjährigen WM-Titelkampf warnt Fritz Enzinger. Der Leiter LMP1 verweist auf Erfahrungen aus dem Vorjahr: „Beim Finale 2015 in Bahrain ging es um den Fahrertitel, und im Vorfeld wirkte die Aufgabe leicht, mit dem Auto einen vierten Platz zu holen. Am Ende wurde es ein Nerven zerreißender Krimi mit einem fünften Platz, weil wir technische Probleme bekamen. Damals reichte es nur zum Titel, weil das Schwesterauto den Sieg erkämpfte. In einem Sechsstundenrennen kann alles passieren – ob in der ersten Kurve nach dem Start oder auf den letzten Metern wie dieses Jahr in Le Mans. Die zentrale Herausforderung ist und bleibt, problemlos über die Distanz zu kommen.“

2015 wurde das Rennen zu etwa zwei Dritteln auf nasser Strecke ausgetragen. Es siegten Bernhard/Hartley/Webber vor Dumas/Jani/Lieb. Der damals vierte Doppelsieg der Saison für Porsche machte den vorzeitigen Gewinn der Hersteller-Weltmeisterschaft perfekt.

Teamchef Andreas Seidl analysiert: „Tendenziell kommt die Streckenführung in Shanghai der Charakteristik unseres 919 eher entgegen als jene des Fuji Speedway, dem Austragungsort des letzten Rennens. Es kommt aber auf sehr viele Faktoren an, und wir haben in den zurückliegenden beiden Rennen gesehen, dass die Konkurrenz mindestens aufgeschlossen hat. Bei der Startnummer 2 hatten wir sowohl in Austin als auch in Fuji Probleme, weil die Frontpartie sehr viel des herumliegenden Reifenabriebs aufgesammelt hat und dadurch die Fahrzeugbalance nicht stimmte, bis wir die Front getauscht hatten. In Shanghai gilt es, mit unserem bewährten, sehr zuverlässigen 919 Hybrid und einer weiteren fehlerfreien Teamleistung wieder um die Spitzenpositionen zu kämpfen.“

In der Fahrerweltmeisterschaft führt das Porsche-Trio Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb mit 140 Punkten vor dem besten Toyota (117) und den folgenden Audi-Piloten (111,5). Für einen vorzeitigen Titelgewinn müssten Dumas/Jani/Lieb ihren Vorsprung in Shanghai von derzeit 23 auf 26 Zähler ausbauen. Die Crew des Schwester-Porsche, Timo Bernhard, Brendon Hartley und Mark Webber liegt mit 93,5 Punkten an vierter Stelle.

Der in Weissach entwickelte Porsche 919 Hybrid bringt es auf eine Systemleistung von gut 900 PS (662 kW). Sein Verbrennungsmotor ist ein wegweisendes Downsizing-Triebwerk: Als kompakter Zweiliter-Vierzylinder treibt der aufgeladene Benziner die Hinterachse mit knapp 500 PS (368 kW) an. Zwei unterschiedliche Energierückgewinnungssysteme – Bremsenergie von der Vorderachse und Abgasenergie – speisen über eine Lithium-Ionen-Batterie einen Elektromotor, der auf Abruf die Vorderachse mit zusätzlich über 400 PS (294 kW) antreibt.

Stimmen vor dem Rennen:

Timo Bernhard (Startnummer 1): „Die Strecke in Shanghai ist nicht einfach, aber ich fahre gerne dort. Nur die erste Kurve gehört nicht zu meinen Favoriten: Diese schneckenförmige Rechtskurve will einfach nicht aufhören, zieht sich immer weiter zu und ist langsam. Die weitere Runde zeichnet sich vor allem durch sehr unterschiedliche Kurvengeschwindigkeiten aus. Es gibt einige mittelschnelle Kurven und Kombinationen, in denen man das Auto besonders präzise platzieren muss.“

Brendon Hartley: „In Fuji waren wir nah dran an einem weiteren Sieg, haben ihn letztlich aber verpasst. Damit ist es für uns Drei von der Startnummer 1 kaum noch möglich, den Fahrertitel zu verteidigen. Aber wir können unseren Teil dazu beitragen, dass Porsche wieder den Weltmeistertitel für Hersteller holt, und dafür wollen wir wieder siegen. Die Rennstrecke in Shanghai sollte unserem 919 Hybrid durchaus liegen.“

Mark Webber: „Nach dem extrem spannenden Wettkampf in Fuji freue ich mich sehr auf Shanghai, denn da wird es genauso zugehen. Ich denke, der Porsche 919 passt gut zur Streckenführung in Shanghai, und Timo, Brendon und ich fahren auch sehr gerne dort. Unser Ziel ist ganz klar ein weiterer Rennsieg. Die zurückliegenden Läufe haben gezeigt, dass man dafür wirklich absolut alles über die sechs Stunden auf den Punkt bringen muss. Ich weiß, dass wir das können.“

Neel Jani (Startnummer 2): „In Shanghai kamen wir bisher mit dem 919 immer gut zurecht, und wir sollten dort auch dieses Jahr bei der Musik sein. Aber es wird hart. Das Ziel ist klar: Wir müssen für die Fahrer-WM vor unseren direkten Konkurrenten, dem Nummer 6 Toyota und dem Nummer 8 Audi, ins Ziel kommen. Beide werden stark sein. Es geht längst nicht mehr um die klassische Philosophie von Langstreckenrennen. Das Niveau in der WEC ist extrem hoch, wir fahren Sprint von der ersten bis zur letzten Runde. Nach sechs Stunden entscheiden Sekunden über Sieg oder Niederlage. Unsere Ausgangslage ist punktemäßig gut, aber wir müssen auf jedem Stint unser volles Leistungspotenzial abrufen.“

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