Formel E: Maro Engel im Interview: „Ein-Tages-Format große Herausforderung“

 

Maro Engel_Venturi (c)Helmut Ulrich

Venturi-Pilot Maro Engel feierte beim Hong Kong ePrix eine erfolgreiche Premiere in der Formel E. Der 31-jährige Deutsche erzielte bei seinem Debüt in der Elektrorennserie mit Platz neun eine Top-10-Platzierung und war zudem schneller als sein erfahrener Teamkollege Stephane Sarrazin, der auf Platz zehn kam. Engel, der eine leichte Erkältung als Souvenir aus Hongkong mitnahm, sprach mit uns beim DTM-Saisonfinale in Hockenheim ausführlich über sein Formel-E-Debüt.

In Teil 1 des Interviews schildert uns Engel seine Eindrücke aus Hongkong, welche Fehler noch ausgemerzt werden müssen und warum sich der mögliche kommende Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg für die Technik der Elektrorennserie interessiert.

Maro, welche Erkenntnisse nimmst du nach deinem ersten ePrix mit? Warst du selbst überrascht, dass es zum Auftakt gleich so gut lief?

Überrascht ist vielleicht nicht das richtige Wort. Wir haben genau darauf hingearbeitet. Unser Ziel war es, ein sauberes Rennen und Qualifying hinzubekommen und in die Punkte zu fahren. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen. Es war ein gutes Auftaktrennen. Ich habe am Rennwochenende in Hongkong viel gelernt, denn es ist doch ein wenig anders als in anderen Rennserien. Es gibt sicherlich noch Sachen, die wir verbessern können. Ich muss aber auch sagen, dass das Rennergebnis sogar noch ein bisschen besser hätte ausfallen können. Mit dem Start und dem Ergebnis sind wir trotzdem zufrieden.

Welche Verbesserungsmöglichkeiten meinst du konkret?

Es gibt überall noch Bereiche, die wir verbessern können. Beispielsweise habe ich drei Sekunden beim Boxenstopp verloren. Das müssen wir auf jeden Fall optimieren. Die vielen Anpassungen, die wir während des Rennens vornehmen müssen und die großen Einfluss auf das Fahrverhalten haben, wurden nicht mit vollstem Risiko angegangen. Wir tasten uns daher weiter heran und lernen, um das nächste Mal noch besser aufzutreten. Ich erwarte schon, dass wir uns in diesem Bereich weiter steigern können, um aus dem Auto noch mehr herauszuholen. Für den Anfang sind wir aber sehr zufrieden.

Du bist sehr gut mit dem Energiemanagement umgegangen, hattest in der Schlussrunde noch gut sechs Prozent mehr Energie zur Verfügung als einige Konkurrenten. War da eine Schlussattacke geplant?

Ja, auf jeden Fall. Es war sehr, sehr knapp, ich lag am Ende nur eine halbe Sekunde hinter Oliver Turvey, der zwei Sekunden langsamer fuhr als ich. Es war wirklich sehr knapp, hat aber leider nicht mehr ganz gereicht. Der andere Fahrer war Jerome d’Ambrosio, der nur anderthalb oder zwei Sekunden vor mir ins Ziel kam. Diese beiden Plätze hätten wir uns gerne noch geholt. Es gab zwischenzeitlich ein kommunikatives Missverständnis bezüglich unseres Energie-Targets, daher sind wir unglücklicherweise mit sechs Prozent mehr Energie als nötig über die Ziellinie gefahren. Wie gesagt, es gibt noch ein paar Sachen, die man verbessern kann. Es war wichtig, dass wir beide Autos in die Punkte gebracht haben. Das war schon sehr schön.

Wir zufrieden bist du mit dem neuen Venturi-Antrieb?

Wir haben einen guten Schritt nach vorn gemacht und uns in vielen Bereichen verbessert. Wir wissen, dass wir weiteres Verbesserungspotenzial haben und das müssen wir versuchen auszuschöpfen. Es war ein sehr guter Start mit dem ersten eigens entwickelten Getriebe von Venturi.

Der FanBoost ging beim Hong Kong ePrix an andere Fahrer…

Da müssen wir uns etwas überlegen bei Venturi. Wir brauchen die geballte Power. Es müssen alle an einem Strang ziehen. Die Jungs, die vorne lagen, haben wahnsinnig viele Votes erhalten. Es war interessant, das zu sehen, wie so etwas abläuft. Ich kann nur den Appell starten, weiter fleißig für mich zu voten. Es hat zwar auch ganz gut ohne FanBoost geklappt, aber es ist trotzdem ein entscheidendes Thema in Sachen Performance. Mit FanBoost wäre es in Hongkong jedenfalls der achte Platz gewesen, soviel kann ich schon einmal sagen, da ich knapp hinter Turvey ins Ziel kam. Der FanBoost bringt schon einiges. Ich bin den Leuten, die für mich gestimmt haben, sehr dankbar und hoffe, dass noch viele, viele weitere Stimmen dazukommen.

Als Rookie warst du sicherlich erfreut, vor deinem Teamkollegen Stephane Sarrazin ins Ziel zu kommen, oder?

Absolut. Stephane hat sehr viel Erfahrung in der Serie. Er ist seit Anfang an dabei und in der letzten Saison als Meisterschaftssechster sehr gut unterwegs gewesen. Es war schon schön für mich, im Qualifying und im Rennen vor ihm zu liegen.

Hat dir Prinz Albert II. von Monaco, der bei Venturis Teampräsentation dabei war, zu deiner Leistung von Hongkong gratuliert?

Nein, ich habe nach Hongkong noch keinen Kontakt gehabt. Da muss ich mich wohl noch mehr anstrengen, um aufs Podium zu kommen. Wahrscheinlich muss ich sogar ein Rennen gewinnen (lacht).

Wie waren denn die Reaktionen der deutschen Fans auf dein Auftreten in Hongkong?

Das Feedback war sehr positiv. Ich habe von vielen Fans Glückwunsch-SMS, -Tweets und -Anrufe bekommen, es gab zahlreiche Kommentare auf den Social-Media-Seiten. Das freut mich natürlich.

Hat dir auch dein Freund Nico Rosberg gratuliert?

Es gab einen kurzen Austausch nach dem Rennen. Die Glückwünsche haben auf Gegenseitigkeit beruht. Er hatte ja mit dem Sieg einen fantastischen Grand Prix von Japan abgeliefert. An dem Wochenende lief es für uns beide sehr gut.

Tauschst du dich mit Nico auch über die Formel E aus?

Auf jeden Fall. Nico ist da sehr offen, er findet es sehr spannend. Wir haben uns darüber ausgetauscht. Wir reden schon darüber, wie es bei ihm ist und wie es bei mir ist. Gerade im Sommerurlaub, wo wir einige Tage gemeinsam verbracht haben, war die Formel E ein Thema. Das war genau der Zeitpunkt, als es bei mir mit der Elektrorennserie losging. Wir haben uns länger darüber unterhalten. Nico interessiert sich auch für die Technik, die dahintersteckt.

Wie kamst du mit dem Ein-Tages-Format zurecht, das ja auch Neuland für dich war?

Man hat einfach weniger Zeit. Dieses Format ist schon eine der großen Herausforderungen der Formel E. Es bleibt nicht viel Zeit nachzudenken oder zu analysieren. Es geht Schlag auf Schlag weiter. Das Format ist das Besondere an der Serie. Das ist sehr gut, da die Messlatte noch einmal höher liegt. Es macht alles etwas schwieriger und anspruchsvoller. Es ist eine tolle Serie mit tollen Fahrern. Ein Format, das den Fahrern alles abverlangt.

Herrscht im Qualifying eine gewisse Anspannung oder Nervosität, weil die eine schnelle Runde sitzen muss?

Grundsätzlich ist man immer ein bisschen nervös vor dem Qualifying und vor dem Rennen. Es ist ein normales Zeichen des Körpers, wenn das Ganze einem Fahrer etwas bedeutet. Wenn man sich viel vornimmt, ist die Nervosität immer dabei. Wichtig ist nur, das unter Kontrolle zu halten. Ich denke, es wichtig, dass Nervosität dabei ist, denn damit ist man ein Stück wacher. Schwierig ist das Qualifying auf jeden Fall, da man weiß, es gibt nur diese eine Runde. Man fährt mit einer erhöhten Leistung (200 kW), die man zuvor nur zwei Runden gefahren ist. Es ist nicht einfach und gehört zu den großen Herausforderungen der Formel E. Fahrerisch ist die Herausforderung wahnsinnig groß, weil man wenig Zeit hat, sich anzupassen. Es wird einem alles abverlangt. Die Konkurrenz ist sehr stark. Aber je größer die Herausforderung, desto höher der Spaßfaktor für mich.

Foto: Helmut Ulrich

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