FE: Sebastien Buemi neuer Formel-E-Champion, fünf Zehntel entscheiden über Titel

FE Champion Sebastien Buemi (c)edams Renault

Der neue Formel-E-Champion heißt Sebastien Buemi. Der letzte von insgesamt zehn Läufen war an Dramatik nicht zu überbieten. Die beiden einzig verbliebenden Titelrivalen Lucas di Grassi (ABT Schaeffler Audi Sport) und e-dams-Pilot Buemi waren punktgleich ins Rennen gegangen, kollidierten bereits in der ersten Kurve und fielen im Rennen weit zurück. Ab diesem Moment ging es nur noch um eine Frage: Wer fährt die schnellste Rennrunde und krönt sich dank der beiden dafür vergebenen Punkte zum neuen Champion? Die Antwort gab Buemi mit einer Runde, die um lediglich 0,483 Sekunden schneller war als die des Brasilianers, die Entscheidung zugunsten des Schweizers war gefallen.

„Ich kann es heute kaum fassen“, rang der frischgebackene Titelträger nach Worten. „Es ist großartig nach einer sehr schwierigen Saison Champion zu sein. Wenn ich ehrlich bin, war es nicht die Art und Weise, wie ich den Titel gewinnen wollte. Gleich nach dem Start hatten wir den Crash und unsere einzige Chance war die schnellste Runde zu erzielen. Wir mussten alles geben. Taktik und richtigen Zeitpunkt. Ich bin jedem sehr dankbar. Jeder im Team musste schwer dafür arbeiten, den Titel zu gewinnen und sie verdienten sich den Erfolg. Der sauberste und schnellste Fahrer hat gewonnen und das beste Team dazu“, sagte Buemi stolz nach dem größten Erfolg seiner Karriere.

e.dams-Renault gewann zudem die Teammeisterschaft, also ein ganz perfektes Wochenende für die französische Equippe. Dementsprechend zufrieden äußerte sich Teamchef Alain Prost, dessen Sohn Nicolas Prost beide Rennen im Battersea Park gewann. „Ich bin heute sehr stolz auf das Team. Die Formel E ist eine der besten Serien, die ich je erlebt habe. Heute zwei Titel zu gewinnen ist etwas ganz Besonderes. Wir haben gegen Top-Teams und Top-Fahrer gekämpft und immer an uns geglaubt. Das ganze Jahr haben wir zusammen hart dafür gearbeitet, das bestmögliche Auto zu haben. Renault hat mit dem Antriebsstrang fantastische Arbeit geleistet. Zwei Titel in zwei Jahren ist eine fantastische Anerkennung für jeden, der seine Zeit und seine Anstrengung für das Team aufbrachte.“

Die Motorsportfans haben in London ein actionreiches und packendes Finalwochenende der Formel E erlebt. Und einen di Grassi, der bis zum letzten Moment um die Meisterschaft gekämpft hat. Die Szene in der ersten Runde wurde kontrovers diskutiert und von den Sportkommissaren mit einer nachträglichen Zeitstrafe für di Grassi belegt. Der Vize-Champion war von Platz drei hinter Buemi und dem späteren Sieger Nicolas Prost gestartet und touchierte bei einem Überholversuch erst Prost und traf dann Buemi. „Sebastien hat früher als sonst gebremst und ich war etwas aggressiv beim Überholversuch, denn ich wusste, ich muss am Start an Nico vorbei, um im Rennen zu bleiben“, erklärte der Brasilianer. „Wenn es um alles geht, kann so eine Situation passieren“, sagte di Grassi.

Am Ende entschied Buemi den Titelfight allein mit den zwei Punkten für die schnellste Runde für sich. Dem Team ABT Schaeffler Audi Sport bleiben die Vizetitel in der Fahrer- und Teamwertung sowie ein weiterer Podiumsplatz für Youngster Daniel Abt, der hinter Prost Zweiter im Sonntagsrennen wurde.

„Gratulation an Sebastien. Er ist ein starker Rennfahrer und zweifellos ein würdiger Champion der Formel E“, sagte di Grassi. „Trotzdem verlassen wir London erhobenen Hauptes: Wir waren in der Lage, bis zum letzten Rennen um die Meisterschaft zu kämpfen, darauf soll jeder unserer Mechaniker, unserer Ingenieure und unserer Partner stolz sein, denn ich selbst bin es auch.“

Der Südamerikaner stand in den zehn Rennen dieser Saison sieben Mal auf dem Podium und holte drei Siege. Di Grassi: „Natürlich sind wir heute enttäuscht. Aber schon morgen oder übermorgen denken wir an die nächste Saison. Wir werden stärker als je zuvor zurückkommen“, so der Vizemeister.

Weil alle Augen auf den Titelkampf gerichtet waren, wurde das Rennen fast schon zur Nebensache. Dabei zeigte di Grassis Teamkollege Daniel Abt ein starkes Rennen, der hinter Prost Zweiter wurde. Der mit 23 Jahren jüngste Pilot im Feld profitierte zunächst von den Zwischenfällen vor ihm, überholte im Laufe des Rennens seinen Landsmann Nick Heidfeld mit einem beherzten Manöver und ließ sich Platz zwei nicht mehr nehmen. Es war das dritte Podiumsergebnis in diesem Jahr und bedeutet im finalen Klassement den siebten Gesamtplatz und die Position als bester Deutscher. Heidfeld wurde schließlich Achter, im Gesamtklassement belegte der Mönchengladbacher Platz elf.

Trotz des Ausgangs im Titelkampf zieht ABT-Teamchef Hans-Jürgen Abt, dessen Mannschaft den zweiten Platz in der Teamwertung belegt, ein positives Fazit der zweiten Formel-E-Saison: „Die Formel E hat sich schon in ihrem zweiten Jahr als eine der spannendsten und innovativsten Rennserien weltweit etabliert. Dafür kann man den Organisatoren um Alejandro Agag und seinem Team nur gratulieren. Und mit einem Blick auf den Kalender des nächsten Jahres wird klar: Wir dürfen uns auf die Zukunft freuen. Mein Dank gilt unseren Mechanikern, Ingenieuren, Partnern, Fans sowie unseren Fahrern Daniel und Lucas: Sie haben die Saison mit ihren Leistungen und ihrem Auftreten geprägt und für viele Momente gesorgt, die unvergesslich bleiben. Daraus werden wir neue Motivation ziehen und in der Zukunft alles dafür geben, wieder um Pokale, Champagner und die Meisterschaft zu kämpfen. Besonders Lucas hat im Moment der vermeintlichen Niederlage eine solche Größe gezeigt, dass wir am liebsten schon morgen wieder starten würden.“

Ergebnis London Rennen 10:

1. Nicolas Prost, e.dams
2. Daniel Abt, ABT Schaeffler Audi Sport
3. Jerome d’Ambrosio, Dragon
4. Loic Duval, Dragon
5. Stephane Sarrazin, Venturi
6. Bruno Senna, Mahindra
7. Jean-Eric Vergne, DS Virgin
8. Nick Heidfeld, Mahindra
9. Antonio Felix da Costa, Aguri
10. Nelson Piquet jr

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