WEC: Porsche gewinnt 24h von Le Mans in einem dramatischen Finish

Porsche Sieg Nummer18 (c)Porsche

Porsche hat das 24h-Rennen von Le Mans in einem Last-Minute-Drama vor 263.500 Zuschauern gewonnen. Seit Mitternacht hatte sich das Duell zwischen Porsche und Toyota beim härtesten Automobilrennen der Welt zugespitzt. Die beiden Toyota-Boliden TS050 Hybrid dominierten abwechselnd das Geschehen. Formel-E-Titelaspirant Sebastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima befanden im Wagen mit der Nummer 5 auf Siegkurs.

Eine Runde vor dem Ziel sah Toyota noch wie der sichere Sieger aus, dann rollte der Prototyp tragischerweise aus. „It’s broken“, meldete Eurosport-Moderator Norbert Ockenga, der von Toyota bei der Live-Übertragung sofort eine SMS erhielt. Antriebsschaden, unfassbar fünf Minuten vor Rennende.  Toyota wäre der verdiente Sieger gewesen.  So gewann einen Umlauf später der Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer 2 von Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb. Seit 1985 versucht Toyota Le Mans zu gewinnen, auch im 18.Anlauf klappte es wieder nicht.

Toyotas Schwesterfahrzeug mit Mike Conway, Stephane Sarrazin und Kamui Kobayashi lag selbst lange Zeit in Führung, doch gegen Rennende ließ die Performance nach.  Hinter dem Porsche-Siegerauto belegte das Trio Platz zwei, Freude konnte da aber nicht wirklich aufkommen.

Audi belegte mit Formel-E-Leader Lucas di Grassi, Loïc Duval und Oliver Jarvis Platz drei. Im zweiten Audi-Prototypen kamen Marcel Fässler, André Lotterer  und Benoît Tréluyer auf Rang vier ins Ziel. Audi setzte seine Serie von Podiumsplatzierungen beim französischen Langstrecken-Klassiker fort. Damit gelang Audi beim 18. Start seit dem Le-Mans-Debüt im Jahr 1999 bei 13 Gesamtsiegen das 18. Podium in Folge.

Überglücklich natürlich Le Mans-Sieger Neel Jani: „Die Toyota-Fahrer tun mir extrem leid. Jeder Rennfahrer weiß, wie sich diese Situation für sie anfühlen muss. Dass wir die 24 Stunden von Le Mans gewonnen haben, kann ich noch nicht in Worte fassen. Das ist wirklich surreal. Trotzdem sind wir ein sehr gutes Rennen mit ganz wenigen Fehlern gefahren und haben alles aus dem Auto herausgeholt. Dieser Sieg ist etwas ganz ganz Besonderes.“

Dieser Erfolg ist für Porsche der 18. Gesamtsieg. Eine der begehrtesten Trophäen überhaupt findet damit ein weiteres Jahr in Zuffenhausen ihr Zuhause. Nach dem Vorjahreserfolg durch Earl Bamber, Nico Hülkenberg und Nick Tandy mit dem 919 Hybrid trat Porsche als Titelverteidiger an.

Der zweite Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer 1 – an dessen Steuer sich die amtierenden Langstrecken-Weltmeister Timo Bernhard, Brendon Hartley  und Mark Webber abwechselten – kam nach einem langen Reparaturstopp und anschließender Aufholjagd auf den 13. Gesamtrang. In der Klasse LMP1 belegte das Trio Platz fünf. Dadurch sicherte sich Porsche insgesamt 71 Punkte für die Herstellerwertung der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC. In Le Mans werden doppelt so viele Punkte vergeben wie bei den übrigen acht WM-Läufen, die sechs Stunden dauern. Porsche führt in der Herstellerwertung nun mit 127 Punkten vor Audi (95) und Toyota (79). In der Fahrerwertung haben die Spitzenreiter Dumas, Jani und Lieb nun 94 WM-Punkte und einen Vorsprung von 39 Zählern.

Hier weitere Stimmen:

Fritz Enzinger, Porsche-Leiter LMP1: „Erst einmal möchte ich meinen großen Respekt vor der sensationellen Leistung ausdrücken, die Toyota in diesem Rennen geliefert hat. Es war ein toller Zweikampf. Kurz vor Schluss hatten wir uns schon auf Platz zwei eingestellt und plötzlich als Porsche Team den zweiten Le-Mans-Gesamtsieg in Folge errungen. Ich möchte unserer großartigen Mannschaft in Weissach danken, dem Team vor Ort und all den Porsche-Mitarbeitern und -Fans, die uns hier unterstützt haben.“

Andreas Seidl, Porsche-Teamchef: „Zunächst fühlen wir natürlich mit unseren Kollegen und Freunden aus Köln mit – ein so großes Rennen auf diese Weise in der letzten Runde noch hergeben zu müssen, das wünscht man keinem Wettbewerber. Aber so ist der Sport mit seinen Höhen und Tiefen, dafür lieben wir ihn. Der Sieg war hart umkämpft. Wir wollten Toyota bis zum Schluss unter Druck setzen und sind die ganze Zeit Vollgas gefahren, auch die Fahrer waren am Limit. Es gab extrem viele Führungswechsel. Seit dem Beginn der Entwicklung und Vorbereitung des 919 Hybrid im Winter haben wir eine sensationelle Teamleistung abgeliefert, das gilt für die Kollegen daheim in Weissach ebenso wie für das Einsatzteam hier. So wie es mich für die Crew der Nummer 2 freut, so schade war es für die Jungs der Nummer 1. Ohne den Defekt und die notwendige Reparatur hätten auch sie um den Sieg mitkämpfen können. Le Mans zu gewinnen ist das Highlight der Saison – Wahnsinn, dass wir dies in unserer erst dritten Saison wiederholt haben. Jetzt blicken wir nach vorne. Wir nehmen von hier viele Punkte für die Fahrer- und Herstellermeisterschaft mit, jetzt wollen wir beide Titel auch verteidigen.“

Dr. Wolfgang Ullrich, Audi-Motorsportchef:  „Leider ist keines unserer beiden Autos ohne Probleme über die Distanz gekommen“, sagte Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich. „Man hat an diesem Wochenende einmal mehr gesehen, warum Le Mans als härtestes Langstrecken-Rennen der Welt gilt. Ich bin stolz, dass es der Mannschaft gelungen ist, trotz der Schwierigkeiten beide Autos ins Ziel zu bringen. Aber natürlich ist es nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft haben. Glückwunsch an Porsche zum zweiten Sieg in Folge. Toyota hat es nach einem tollen Rennen im 18. Anlauf wieder ganz knapp nicht geschafft, Le Mans endlich einmal zu gewinnen – das sagt alles darüber, wie unglaublich schwierig dieses Rennen ist.“

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