Formel E: Buemi zurück im Titelkampf

Berlin_Sieger_Buemi (c)Renault

Das deutsche Gastspiel der Formel E in Berlin begeisterte mit herausragender Motorsportunterhaltung und endete mit einem großen Erfolg für das Team e.dams-Renault : Sebastien Buemi gewann den spannenden ePrix, Nicolas Prost kam auf Rang vier. E.dams-Renault baute damit seine Führung in der Team-Meisterschaft weiter aus. Buemi fehlt nun nur noch ein Zähler auf den WM-Führenden Lucas di Grassi (Abt Schaeffler Audi Sport), der Schweizer besitzt zwei Rennen vor Saisonschluss weiterhin gute Titelchancen.

„Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie glücklich ich über diesen Sieg bin“, so Buemi. „Das sind richtig viele Punkte für die WM-Wertung und das ist wichtig. Jetzt muss ich mich auf die beiden letzten Rennen konzentrieren. Ich habe Vergne gleich nach dem Start überholt, aber dann zu viel Energie verbraucht.

Also habe ich etwas Tempo rausgenommen, denn wenn du in den ersten Runden zuviel verbrauchst, bezahlst du die nächsten 15 dafür. So konnte mich JEV wieder packen. Doch als er nach vier oder fünf Runden etwas sparsamer fahren musste, platzierte ich meine Attacke. Ich baute die Führung aus und sparte dann wieder Energie, um mir eine kleine Reserve für den Angriff auf die schnellste Rennrunde anzulegen. Die habe ich leider knapp verpasst.

Im zweiten Auto habe ich nochmals versucht, die schnellste Runde zu fahren. Dass auch das nicht klappte, bleibt heute das einzige enttäuschende Detail. Es wurde noch mal ziemlich eng, als das Safety Car raus kam – glücklicherweise konnte ich den Sieg ins Ziel bringen. Ich finde, wir dürfen uns über dieses Ergebnis freuen, denn das Team hat sehr hart gearbeitet und einen fantastischen Job gemacht. Aber ich denke schon an London und wie wir dort agieren müssen.“

Buemi ging von Startplatz zwei in der ersten Startreihe ins Rennen, Teamkollege Prost startete von Position sechs. Beiden Piloten von Renault e.dams gelang ein sehr guter Start. Buemi konnte mit einem mutigen Manöver in der ersten Spitzkehre die Führung übernehmen, Nicolas Prost kehrte als Fünfter aus der ersten Runde zurück. Kurz darauf übernahm zwar der von der Pole Position gestartete Jean-Eric Vergne mit einem Überraschungsmanöver wieder die Führung, doch nur einige Umläufe später konterte Buemi entschlossen.

Als Spitzenreiter teilte sich der Schweizer den Energievorrat seines 100% elektrischen Boliden clever ein und kontrollierte das Rennen.
Gegen Rennmitte absolvierten beide Piloten den vom Reglement vorgeschrieben Fahrzeugwechsel ohne Zwischenfälle.

Buemi lag im Renault Z.E.15 weiter in Front, der als Vierter an die Box gerollte Prost gewann eine weitere Position und lag nun auf Rang drei. Wenige Umläufe vor Schluss geriet der souveräne Buemi doch noch einmal unter Druck, denn die Rennleitung schickte das Safety Car auf die Strecke, um ein liegengebliebenes Fahrzeug (Loic Duval) bergen zu können. Der Schweizer blieb auch beim Neustart Herr der Lage und brachte seinen dritten Saisonsieg – den mittlerweile sechsten ePrix-Sieg seiner Karriere – sicher nach Hause.

Nicolas Prost musste sich derweil in einem Dreikampf mit dem vor ihm fahrenden Daniel Abt und dem hinter ihm liegenden Abt-Teamkollegen Lucas di Grassi behaupten. Nach mehreren vergeblichen Attacken zwängte sich der WM-Führende aus Brasilien an Prost vorbei auf Position drei. Mit den Plätzen eins und vier holte Renault e.dams zwei sehr gute Resultate.

Hier weitere Stimmen aus dem französischen Lager:

Nicolas Prost: „Ein sehr gutes Rennen, in dem ich in viele Zweikämpfe verwickelt war – genau genommen das gesamte Rennen lang. Von meinem Qualifying-Resultat war ich sehr enttäuscht, weil ich sicher war, schnell genug zu sein für das Super Pole-Zeitfahren oder vielleicht sogar die Pole Position.

Immerhin: Von etwas weiter hinten zu starten, machte das Rennen umso interessanter. Lange duellierte ich mich mit Jean-Eric Vergne. Dabei durfte ich mir keinen Fehler erlauben, weil das Team von mir WM-Punkte erwartet. Irgendwann kam ich vorbei, doch dann setzte mich der sehr starke Lucas di Grassi unter Druck, besonders als es nach der Gelbphase wieder losging.

Letztlich konnte ich ihn nicht halten, weil ich Energie sparen musste. Ein Podestplatz wäre wirklich schön gewesen, das Team hat jedenfalls ein gutes Ergebnis erzielt. Jetzt freue ich mich riesig auf das Finale in London. Mein Saisonstart verlief nicht optimal, doch wenn es dort gut läuft, habe ich wieder Chancen auf den dritten WM-Platz. Und darauf konzentriere ich mich jetzt.“

Jean-Paul Driot, leitender Teammanager: „Wenn du gewinnst, ist das immer schön, aber dieser Sieg schmeckt besonders süß, weil wir so hart dafür kämpfen mussten. Beide Autos funktionierten sehr effizient und beide Fahrer blieben absolut fehlerlos. Wir sind 100 Prozent zufrieden. In Mexiko und Long Beach hatten wir Schwierigkeiten, in Paris ebenfalls – so standen wir ziemlich unter Druck.

In so einer Situation verlierst du Selbstvertrauen und die Balance im Team verschiebt sich. Um effizient zu arbeiten, muss ein Team cool und selbstbewusst sein – das sind wir jetzt wieder. Wir hätten uns heute wirklich kaum mehr wünschen können. Mein Fazit: Wir sind wieder dort, wo wir hingehören.“

Alain Prost, leitender Teammanager: „Dieses Rennwochenende lief sehr gut. Wir wollen immer das Maximum, aber heute lief es für das Team geradezu fantastisch. Wir sind glücklich und die Fahrer haben einen tollen Job gemacht. In den vergangenen beiden Rennen sahen wir nicht wie ein Spitzenteam aus, deshalb haben wir alles getan, um die Mannschaft zu stabilisieren.

Wir haben viel getestet, alle haben toll zusammengearbeitet und wir sind mit dem festen Ziel hierher gekommen, ein Spitzenresultat zu holen. Das Training war nicht einfach und wir hatten viel Stress, weil wir wussten, dass für beide WM-Wertungen gute Ergebnisse her müssten. Uns ist klar, dass die Abt-Mannschaft in London stark sein wird, aber jetzt haben wir schon mal einen kleinen Vorsprung in der WM. Es bleibt unser Ziel, beide Weltmeistertitel zu gewinnen und das müssen wir uns in den kommenden Wochen immer vor Augen halten.“

Vincent Gaillardot, Renault Sport projektleiter Formel E:
„Ein richtig gutes Rennwochenende! Nach Paris haben wir intensiv getestet, um unsere Leistung zu analysieren und für dieses Rennen besser vorbereitet zu sein. Hier lief alles ordentlich und wir hatten ein viel besseres, wenn auch nicht perfektes Qualifying. Wir wussten, dass wir im Renntrimm stark sind, aber wir mussten unbedingt in der Startaufstellung wieder vorne stehen, um das umzusetzen. Genau das haben wir in Berlin geschafft. In Sachen Zuverlässigkeit gab es überhaupt keine Probleme – wir sind zurück im Geschäft! Jetzt wird das große Finale in London sehr aufregend….“

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