Formel E: Abt-Sportdirektor Biermeier ‚Di Grassi ist stärker als Buemi‘

Biermeier, Schneider,Chioccetti, Abt (c)Abt
Thomas Biermeier ist Sportdirektor des einzigen deutschen Team Abt Schaeffler Audi Sport und trägt die Gesamtverantwortung für alle motorsportlichen Aktivitäten des Kemptener Unternehmens. Sowohl in der DTM als auch in der Formel E bildet der 37-Jährige zusammen mit Teamchef Hans Jürgen Abt und Marketing-Chef Harry Unflat ein sehr erfolgreiches Triumvirat.

Vor dem Paris ePrix haben wir uns mit Biermeier über die Formel E unterhalten. Nach dem ersten Doppelpodium in Long Beach herrscht eitel Sonnenschein im Abt-Lager. Im Titelkampf mit e.dams-Renault stehen der Kemptener Mannschaft alle Chancen offen. Wie wichtig der Erfolg in Kalifornien nach der Disqualifikation in Mexiko war, wie die Vorbereitungen auf die neue Saison laufen und ob das Interesse der Sponsoren in der Formel E gestiegen ist, erzählt uns Biermeier im Interview.

Herr Biermeier, Sie müssen nach dem Sieg in Long Beach sehr glücklich sein?
Biermeier:
„Es war ein sehr, sehr wichtiges Wochenende für uns in Long Beach, weil beide Fahrer auf dem Podium standen. Das war sehr, sehr schön. Daniel (Abt) hat es wirklich verdient, er hat endlich sein Rennen das ganze Wochenende hindurch durchgezogen. Daniel hat den Speed, er zeigt seine Klasse. Bisher haben wir es nie genau 100 Prozent zusammengebracht.

Für Lucas war es nach Mexiko sehr gut, dass wir so zurückgekommen sind. Das zeigt die Stärke von Lucas und die Stärke von Lucas und dem Team. Wenn man harte Rückschläge hinnehmen muss, war es klasse, so wieder zurückzukommen.“

Stand das Abt-Team definitiv unter Erfolgsdruck nach dem Mexico-Fiasko?
Biermeier:
„Der Druck ist natürlich immer hoch. Wir haben einen Fehler in Mexiko gemacht, dazu stehen wir. Den Fehler wollten wir so schnell es ging wiedergutmachen. Das war der Grund warum der Druck auch ziemlich groß war.“

Biermeier (Abt) und Gill (Mahindra) (c)EHirsch

Ärgerlich, denn Lucas zeigte eine beeindruckende Leistung vor den mexikanischen Zuschauern…
Biermeier:
„Es war sehr schade, denn, wenn man ehrlich ist, war es ein perfektes Rennen von Lucas. Wir sind bis ans Limit gegangen. Wenn wir gewinnen möchten, müssen wir mit verschiedenen Faktoren ans Limit gehen. Dann haben wir uns verkalkuliert und leider das Untergewicht gehabt.“

Ist das Sponsoreninteresse nach dem Sieg in Long Beach noch größer geworden?
Biermeier:
„Das Sponsoreninteresse war schon immer groß. Man darf nicht jedes Rennen bewerten. Man muss das ganze Produkt der Formel E sehen. Die Aufmerksamkeit wird immer höher, nicht nur bei Sponsoren, sondern auch bei den Herstellern. Ich glaube, wir sind mit der Formel E auf einen richtigen, gemeinsamen Weg.“

Sie haben am Abt Schaeffler FE01 neue Felgen aufgezogen. Wieviel Zeit gewinnt Lucas di Grassi und Daniel Abt mit dieser Neuerung?
Biermeier:
„Zeit ist immer schwer zu sagen. Es geht um das Gewicht und die Energie. Man wird dadurch ein wenig effizienter, da das Gewicht weniger wird. Das geringere Gewicht befindet sich am Fahrzeug an einer sehr guten Stelle, es ist direkt am Rad. Man muss wirklich jedes kleinste Detail rausholen, um Rennen zu gewinnen. Da haben wir gesagt, O. K., dann müssen wir an den Felgen auch etwas machen.“

Haben Sie die Felgen selber entwickelt oder von ihren Partnern?
Biermeier:
OZ Racing hat die Felgen entwickelt. Das passt relativ gut zu unserem Fahrzeug und zu unserem Konzept. Mit OZ arbeiten wir schon die letzten 15-20 Jahre zusammen.

Die Vorbereitungen auf die neue Saison laufen in vollem Gange, können Sie schon etwas zum neuen Abt-Auto sagen?
Biermeier:
Da arbeiten wir in vielen, kleinen Details. Es wird kein großes neues Konzept geben, definitiv. Das bestehende Konzept wird in kleinen Details verbessert und verfeinert. Das ist unser Anspruch. Die Testphase geht in den nächsten 2-3 Monaten los. Wir sind gerade in der Entwicklungsphase. Wir hoffen, dass wir für die neue Saison gut aufgestellt sind.

Mit wieviel Gängen wird das kommende Abt-Auto ausgestattet?
Biermeier lächelt:
„Da kann ich noch nichts verraten. Man könnte mit ein, zwei oder drei Gängen fahren. In diesem Rahmen wird es sich bewegen.“

Glauben Sie, dass sich der Titelkampf erst in London entscheidet?
Biermeier:
„Das ist ganz schwer zu sagen. Nach Mexiko hat jeder gesagt, Buemi ist weg. Nach Long Beach sagt jeder, die Meisterschaft ist offen. Wir machen es so, wir schauen von Rennen zu Rennen. Wir versuchen in jedem Rennen das Bestmögliche herauszuholen und wenn wir es bis London offenhalten können, umso schöner. Dann sind wir sicherlich in einer guten Position, da Lucas stärker ist als Buemi.“

Wenn es beim Saisonfinale in London zum großen Showdown mit e.dams-Renault kommen würde und das Abt-Team den Titel nach Kempten holt, welchen Stellenwert hätte dieser Titel?
Biermeier:
„Ich glaube, es wäre grundsätzlich für die Formel E wichtig, das die Meisterschaft bis London offenbleibt und dort erst der Titelkampf entschieden wird. Der Titelgewinn wäre für unser Team der absolute Höhepunkt in unserer Motorsport-Geschichte. Wir haben das erste Formel-E-Rennen (Anmerkung: Peking 2014) gewonnen und wir möchten natürlich auch Titel gewinnen. Das Verhältnis zu Renault ist immer schwer zu sagen, weil wir nicht wissen wie viel Sie investieren. Wir wissen, dass wir mit unserem Technologiepartner Schaeffler einen sehr guten Job gemacht haben. Wir sind konkurrenzfähig. Titel gewinnen ist immer schön, egal gegen wen. Wir werden alles geben, damit wir dieses große Ziel erreichen.“


Gibt es schon Pläne, ob sich VW stärker in der Formel E engagiert?
Biermeier:
„Das muss man abwarten, wir haben erst 16 Rennen hinter uns. Ich glaube schon, dass das Produkt Formel E für viele Hersteller interessant ist, mit Sicherheit auch für Volkswagen oder Audi.“

Mir ist aufgefallen, dass auf der Champagner-Party bei der Siegerehrung immer verschiedene Abt-Teamverantwortliche auf dem Podium stehen, Hans Jürgen Abt , Sie und zuletzt in Long Beach Renningenieur Franco Chiocchetti. Gibt es da einen festen Plan oder entscheidet sich das ganz spontan?
Biermeier:
„Das machen wir immer ganz spontan. Das wird nicht vor dem Rennen entschieden, sondern kurzfristig nach dem Rennen. Das zeigt eigentlich, dass wir ein Team sind und den Spirit haben und leben. Die Formel E funktioniert nur als Team. Da ist jeder wichtig, der Reifen-Mann, die Logistiker, die Ingenieure oder der Teamchef.“

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