Formel E: e.dams selbst zu sehr unter Druck gesetzt

Renault e.dams-Piloten Prost und Buemi (c)Renault

Für Titelverteidiger Renault e.dams lief der sechste Saisonlauf der Formel-E-Weltmeisterschaft in Long Beach nicht nach Plan. Nicolas Prost kam im Renault Z.E.15 als Elfter ins Ziel, Sebastien Buemi wurde 16. Dennoch verteidigt die Werksmannschaft mit einem Vorsprung von sechs Punkten ihre Führung in der Teamwertung. Der bis dato in der Fahrer-Weltmeisterschaft führende Buemi bremste zu spät für die Haarnadelkurve und krachte Robin Frijns (Andretti) ins Heck. Die daraus resultierenden Beschädigungen an seinem Fahrzeug sowie eine anschließende Durchfahrtsstrafe machten alle Hoffnungen auf eine gute Platzierung zunichte. Teamkollege Nicolas Prost wurde von der Rennleitung ebenfalls mit einer Durchfahrtsstrafe belegt.

Im Qualifying eroberten Buemi und Prost in ihren Renault Z.E.15 die Startplätze sieben und acht. Dabei profitierten beide davon, dass der eigentliche Polesitter Antonio Felix da Costa (Aguri) aufgrund eines zu geringen Reifenfülldrucks ans Ende des Feldes strafversetzt wurde. Im Freien Training hatte Buemi die Leistungsfähigkeit des Renault Z.E.15 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Schweizer fuhr in der ersten Session die Bestzeit, im zweiten Freien Training war er Zweitschnellster. Das Qualifying musste er in der ersten Startgruppe in Angriff nehmen und platzierte sich für das Rennen auf Position acht. Teamkollege Prost eroberte in den beiden freien Trainings-Sessions die Ränge neun und sieben. Ebenso wie Buemi verpasste er den Sprung in die sogenannte Superpole-Runde der schnellsten Fünf und qualifizierte sich als Neunter.

Im Rennen gelang den beiden Renault e.dams-Piloten ein starker Start, im siebten Umlauf ließ sich Buemi die schnellste Rundenzeit gutschreiben. Zwei Runden später kollidierte der Schweizer beim Versuch, an Frijns vorbeizuziehen, jedoch mit dem Fahrzeug des Niederländers. Buemi beschädigte sich bei diesem Manöver den Frontflügel seines Renault Z.E.15, Frijns trug einen demolierten Heckflügel davon. Der Renault e.dams-Fahrer setzte den ePrix zunächst fort, doch die Rennkommissare stuften die Beschädigungen an seinem Formelauto als zu gefährlich ein und beorderten ihn an die Box, wo er früher als geplant in den zweiten Wagen umsteigen musste. Zudem verhängte die Rennleitung aufgrund des Unfalls gegen ihn eine Durchfahrtsstrafe.

Buemi musste mit einer Akkuladung nun also insgesamt 26 Runden absolvieren – deutlich mehr als üblich. Dabei profitierte er vom effizienten Energiemanagement des Renault Antriebsstrangs. Der Schweizer brannte im 28. Umlauf mit 57,938 Sekunden die schnellste Runde des gesamten Rennens in den kalifornischen Asphalt und sicherte sich damit die beiden hierfür vorgesehenen WM-Punkte. Am Ende kam er auf Rang 16 ins Ziel und musste damit seine Gesamtführung in der Fahrerwertung abgeben. Mit 100 Punkten hat er nun einen Zähler Rückstand auf Lucas di Grassi (Abt Schaeffler Audi Sport), der den ePrix von Long Beach gewann. „Für mich und für das gesamte Team war das heute ein richtig schlechter Tag. Bei dem Versuch, Robin Frijns zu überholen, ist mir ein Fehler unterlaufen. Das tut mir leid und ich möchte mich dafür bei ihm, seinem Team und natürlich bei meiner Renault e.dams-Mannschaft entschuldigen. Nach diesem schwierigen Wochenende dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wir werden alles dafür tun, um bei unserem Heimrennen in Paris zurückzuschlagen“, sagte ein zerknirschter Buemi.

Dessen Teamkollege Prost fuhr ein starkes und intelligentes Rennen. Nach dem vom Reglement vorgeschriebenen Fahrzeugwechsel hatte sich der Franzose bereits auf die vierte Position nach vorne gekämpft. Allerdings wurde auch er durch eine Durchfahrtsstrafe zurückgeworfen. Der Grund: Beim Boxenstopp unterbot Prost die vorgeschriebene Minimalstandzeit um einen Sekundenbruchteil. Mit Position elf verpasste der 34-jährige Renault e.dams-Pilot nur knapp die Punkteränge. „Vor der Durchfahrtsstrafe lief das Rennen sehr gut und ich konnte mich bis auf die vierte Position nach vorne kämpfen. Wir waren für die verbleibenden Runden stark aufgestellt und hatten gute Chancen auf eine Podiumsplatzierung. Umso frustrierender ist es, dass uns ein derart kleiner Fehler eine Zeitstrafe eingebracht hat. Dennoch konnten wir aus diesem ePrix wichtige Lehren ziehen. Bei meinem Heimrennen in Paris will ich unbedingt ein Top-Ergebnis erzielen“, so Prost.

Hier die Stimmen der Renault e.dams-Verantwortlichen:

Jean-Paul Driot, Leitender Teammanager: „Wir wollten an diesem Wochenende ein Top-Ergebnis einfahren und haben uns dabei selbst zu sehr unter Druck gesetzt. Somit konnten wir unsere Ziele hier in Long Beach nicht erreichen. Das Team und die beiden Fahrer haben stets hart gearbeitet. Im Namen der ganzen Mannschaft möchte ich mich bei Nicolas Prost für die Durchfahrtsstrafe entschuldigen. Das war nicht sein Fehler, und eine Podiumsplatzierung lag in Reichweite. Jetzt werden wir unsere Performance genau analysieren, um sicherzustellen, dass wir in Paris mit gestärktem Selbstvertrauen an den Start gehen können.“

Alain Prost, Leitender Teammanager: „Sowohl zu Beginn des Tages als auch am Ende dieses ePrix hatten wir das schnellste Auto. Dennoch ist es uns nicht gelungen, ein gutes Ergebnis mit nach Hause zu nehmen. Im Qualifying haben wir gegenüber der Konkurrenz Federn gelassen. Möglicherweise ist das auch der Grund dafür, warum Sebastien Buemi im Rennen ein Fehler unterlaufen ist und weshalb das Team Nicolas nach seinem Boxenstopp einen Hauch zu früh wieder auf die Strecke geschickt hat. Natürlich müssen wir uns für das nächste Rennen in Paris verbessern, denn an diesem Wochenende haben wir zu viele Punkte liegen lassen.“

Vincent Gaillardot, Renault Sport Projektleiter Formel E: „An diesem Wochenende waren wir nicht so konkurrenzfähig wie in der ersten Saisonhälfte. Wir werden genau analysieren, ob die Ursache hierfür bei uns zu suchen ist oder ob unsere Konkurrenten starke Fortschritte erzielt haben. Wie auch immer die Antwort auf diese Frage lauten mag, die Lösung steht bereits jetzt fest: Beim nächsten ePrix müssen wir ganz einfach besser sein.“

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