Formel E: Jaguar und Williams: Vorbehalte bleiben

Batterietechnik aus dem Hause Williams (c)FIAformulaE

Die Rückkehr von Jaguar in den Motorsport sorgte für viel Wirbel und Medienpräsenz. Ab Saison drei wird die Raubkatze gemeinsam mit Williams Advanced Engineering als neuer Hersteller in die Formel E einsteigen. Wer für das britische Traditionsunternehmen als Fahrer an den Start gehen wird, bleibt noch ein Geheimnis.

Allerdings ist es unter den Formel-E-Rennställen ein offenes Geheimnis, dass sich gewisse Vorbehalte gegenüber dem Neueinstieg breitmachen, wie ‚Motorsport-Totel.com‘ meldet. Denn Interessenskonflikte von Williams als Batteriausrüster der Serie einerseits und als Technologiepartner Jaguars andererseits sind vorprogrammiert. Es wird befürchtet, dass Jaguar exklusive Informationen zum Batteriemanagement erhält, während sie der Konkurrenz vorenthalten bleibt. „Ich weiß, dass viele Leute besorgt darüber sind, dass sie die Batterien produzieren. Da müssen wir aufpassen“, moniert e.dams-Teamleiter Alain Prost stellvertretend.

Formel-E-Serienboss Alejandro Agag weiß um das Dilemma und stellt den Fairness-Gedanken in den Vordergrund. „Es ist sehr, sehr wichtig, eine Informationsbarriere zu erhalten, damit deutlich wird, dass die Fairness des Sports nicht beeinträchtigt wird“, so der Spanier gegenüber ‚Autosport‘. Doch e.dams-Teamverantwortlicher Jean-Paul Driot bleibt da skeptisch: „Sie werden nicht teilen. Ich denke, sie werden alles tun, um alle anderen zu besiegen – so ist das Spiel.“

Die Franzosen, aktueller Benchmark der Formel E, wünschen sich klare Vorgehensweisen seitens des Serienveranstalters. „Wir müssen einige Regeln klar definieren, da es auf der anderen Seite auch noch ein Formel-1-Team gibt, das viel Know-how mit Sportwagen und Langstrecke besitzt“, so Prost, der um die Stärke der Raubkatze fürchtet. Wie Fairness zum Wohle der noch jungen Serie funktioniert, zeigte in der Premierensaison e.dams Partner Renault. „Ich hoffe auf die gleiche Objektivität wie im vergangenen Jahr, als Renault zwar alle Ausrüster verbündet hat, sich aber niemals in das Auto selbst eingemischt hat. Sie haben eineinhalb Jahre alle Teams in alle Daten eingebunden“, sagt Driot.

Doch es gibt auch andere positive Stimmen, die auf die Fairness und der Kompetenz der Formel E vertraut. „Die Formel E hat glücklicherweise klare Richtlinien, die jeder akzeptiert hat, der in dieser Serie fährt. Vielmehr freuen wir uns über einen weiteren Hersteller in der Formel E. Wir vertrauen Williams und Jaguar auf ganzer Linie“, sagt Oliver Opitz von Abt-Partner Würth gegenüber ‚eRacingNews‘.

Jaguar (c)FIAformulaE

Die Batterien zählen in der Elektrorennserie zu den wichtigsten Bauteilen und dementsprechend sensibel wird mit dem Thema bei den Herstellern umgegangen. Dragon-Einsatzleiter Oriol Servia geht noch einen Schritt weiter als Prost und glaubt, dass Williams nicht alle Karten auf den Tisch gelegt hat. „Sie haben viel mehr Informationen über ihre Batterien, als sie uns bis heute mitgeteilt haben“, so der Spanier. Der Dragon-Verantwortliche fordert eine größere Transparenz von Williams: „So lange sie uns alle Informationen liefern, ist es kein Problem.“ Bei der Hitzeschlacht von Malaysia blieben zahlreiche Fahrer mit Batterieausfällen auf der Strecke liegen, die durch Williams Expertise vermieden werden hätte können. Stattdessen überließ man die Problematik den Rennställen, selbst Lösungen für ein ausgeglichenes Batteriemanagement zu finden, wie ‚Motorsport-Total-com‘ berichtet.

Sorgen bereiten den Formel-E-Rennställen zusätzlich die Verfügbarkeit der immensen Ressourcen des britischen Motorsportunternehmens. Das in der Formel 1 ansässige Schwesterunternehmen von Williams könnte sich für Jaguar als großen Vorteil herausstellen. „Es geht nicht um die Batterie, sondern um den Fakt, dass sie ein Formel-1-Team führen und Simulatoren und Windkanäle haben“, befürchtet Aguri-Teamchef Mark Preston eine Verschiebung der Kräfte in der Formel E. Der 47-jährige Australier weiß, wovon er spricht, schließlich arbeitete er selbst jahrelang für Arrows, McLaren und Super Aguri F1 in der Formel 1. E.dams-Teamleiter Prost geht bereits heute davon aus, dass Jaguar der stärkste Hauptkonkurrent der Franzosen sein wird. „Die ganze Philosophie hinter dem Projekt macht es uns sehr schwer, sie zu besiegen.“

Daher wird der Serienveranstalter noch mehr gefordert sein, keinen Wettbewerbsvorteil zugunsten von Jaguar aufkommen zu lassen und die Richtlinien klar abzustecken. „Ich bin zuversichtlich, dass sich die Formel E und die FIA dessen im Interesse der Meisterschaft bewusst sind“, vertraut Servia den Formel-E-Verantwortlichen.

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