Formel E: Tango Ole in Buenos Aires, die Vorschau

Freude_bei_Felix da Costa (c)FIAformulaE

Die Formel E startet ins Jahr 2016. Am kommenden Samstag steht der vierte ePrix der Saison auf dem Stadtkurs von Buenos Aires in Argentinien auf dem Programm. Tango ole in der argentinische Hauptstadt, die Schauplatz des ersten Rennens im neuen Jahr ist.

Wer spritzt von ganz oben den Sieges-Champagner? Die Strecke ist 2.479 Meter lang, die gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, und verläuft durch den modernen Stadtteil Puerto Madero im Osten der südamerikanischen Metropole. Der temporäre Kurs ist erneut ein Mix aus schnellen Passagen und extrem langsamer Haarnadelkurve. Der Vollgasanteil beträgt in etwa 70 Prozent.

Track Buenos Aires_(c)FIAformulaE
Der mit 12 Kurven, einer Schikane und einer Haarnadelkurve gespickte Stadtkurs verspricht in den 33 zu absolvierenden Runden Motorsport vom Feinsten. Buenos Aires ist ein Kurs mit einigen tückischen Ecken. Die Start-Ziel-Gerade ist extrem lang und die Piloten mögen den schnellen Part mit der langgezogenen Kurve 3. „Eine gute Gelegenheit zum Überholen bietet Kurve 1, 4 und 7“, sagt der Überraschungssieger vom Vorjahr Antonio Felix da Costa (Aguri).

„Buenos Aires ist eine kurze Strecke“, so DS-Virgin-Pilot Sam Bird. „Die Zeiten werden sehr nah beieinander liegen. Da die meisten Kurven langsam zu fahren sind, kommt es auf ein gutes Bremsverhalten und die Kurvenausfahrt an“, ergänzt der Brite, der im Vorjahr den Rundenrekord mit einer Zeit von 1:11,540 Min. aufstellte.

Das Rennen im Vorjahr:

In der Premierensaison zählte das Argentinien-Spektakel zu einem der besten und aufregendsten Rennen im Formel-E-Kalender. Das 35 Runden dauernde Rennen sah nicht weniger als vier Piloten in Führung liegend, ehe völlig überraschend Antonio Felix da Costa (Aguri) ganz oben auf dem Siegerpodest stand und seinen ersten und bisher einzigen Sieg in der Formel E feierte.

Rennen in Bunos Aires_2015 (9FIAformulaE

Im Mittelpunkt standen damals neben dem Kampf um das Siegerpodest besonders die Radaufhängungen am Spark Renault SRT-01E, die bei gleich drei Piloten brachen. Sie waren zu schwach ausgelegt, eine Standard-Schraube an der Radaufhängung riss einfach ab. Zuerst erwischte es Mahindra-Pilot Karun Chandhok, danach ereilte Sebastien Buemi (e.dams) und Lucas di Grassi (Abt) jeweils in Führung liegend das gleiche Schicksal. Besonders bitter war der unverschuldete Ausfall für den Brasilianer di Grassi, dem die sicher geglaubten Punkte am Ende der Meisterschaft zur Titeljagd fehlten. Inzwischen stellen diese mechanischen Bauteile keine Probleme mehr für die Formel E dar.

Vorschau:

In Buenos Aires wird Nick Heidfeld (Mahindra) nach seiner Handgelenksverletzung wieder im Cockpit für den indischen Rennstall sitzen, nachdem er zuletzt in Punta del Este durch Oliver Rowland ersetzt wurde. Der Deutsche hat noch eine Rechnung offen mit Buenos Aires. Der Mahindra-Pilot stand damals im Venturi-Boliden vor seinem ersten Formel-E-Sieg, führte zehn Runden vor Schluss das Feld souverän an, ehe er kurz vor dem Schwenken der Zielflagge eine Durchfahrstrafe erhielt. Heidfeld war in der Boxengasse zu schnell unterwegs. Vorbei der Traum vom ersten Formel-E-Sieg. Platz acht war für den 38-Jährigen eine herbe Enttäuschung. Wie der Rückkehrer ins Mahindra-Team die Verletzung auskuriert hat, wird sich zeigen, eine Top Five-Plazierung ist auf alle Fälle möglich.

Der zweite Deutsche im Fahrerfeld Daniel Abt (Abt Schaeffler Audi Sport) sorgte damals ebenfalls für Gesprächsstoff im Fahrerlager. Der junge Kemptener schnupperte an einem Podestplatz und hatte sich in der Schlussrunde bis auf Platz 6 vorgekämpft. Beim Überholversuch von Nicolas Prost (e.dams), der ihm die Tür zumachte, stieg Abt zu spät auf die Bremse und kollidierte mit Jaime Alguersuari (Virgin). Statt Podestplatz null Punkte, ein Rennen zum Vergessen für die Abt-Mannschaft. Daniel Abt ist mittlerweile gereift und hat seine Lehren aus dem Rennen in Buenos Aires gezogen. Ihm ist eine Überraschung zuzutrauen, denn seine Steilkurve geht steil bergauf.

Wer zählt auf der schnellen Strecke von Buenos Aires zum engsten Kreis der Sieganwärter. Tabellenführer Buemi tankte nach seinem zweiten Saisonsieg in Uruguay viel Selbstvertrauen und ist auch beim zweiten Südamerika-Rennen der Saison der große Favorit, den es zu schlagen gilt. Teamkollege Prost kann mit der Performance seines Teamkollegen nicht ganz mithalten und leidet sicherlich unter dem Erfolg Buemis.

Doch mit di Grassi (Abt Schaeffler Audi Sport) und den beiden Dragon-Piloten Jerome d’Ambrosio und Loic Duval sitzen dem Schweizer e.dams-Piloten gefährliche Konkurrenten im Nacken. Di Grassi, der zuletzt mit der Audi-WEC- und DTM-Mannschaft gemeinsames Team Building auf Lanzarote machte, möchte besonders bei seinem ‚Heimrennen‘ ( di Grassis Geburtsstadt Sao Paulo liegt 1.674 Kilometer Luftlinie von Buenos Aires entfernt) vor zahlreichen Fans glänzen und den verpassten Sieg vom Vorjahr nachholen.

Zwei Facts sprechen aktuell für den 31-Jährigen Brasilianer. Zum einen führt der Tabellenzweite im FanBoost, der ihm in der entscheidenden Rennphase den nötigen Energieschub geben könnte. Zum andern erwarten die 18 Piloten bei vorausgesagten hochsommerlichen 27 Grad mit der Möglichkeit von Regen eine wahre Hitzeschlacht. Die Hitze spielt dem Abt-Motor eher in die Karten als der Renault-Antrieb. In Malaysia lief der von Schaeffler gebaute ABT Schaeffler MGU 01 auf Hochtouren, zuverlässig, effizient und stabil. Di Grassi feierte im Hitzerennen den Premierensieg des neuen Antriebsaggregats, während beide e.dams-Piloten Buemi und Prost große Probleme mit dem Renault Z.E 15 hatten.

Stark im Radar ist auch das schlagkräftige Dragon-Duo d’Ambrosio und Duval. Der Belgier d’Ambrosio belegte zuletzt in Punta Platz drei, knapp vor seinem französischen Teamkollegen. Das US-Team entwickelt sich immer mehr zum Geheimfavoriten, denn in Uruguay sicherte sich d’Ambrosio die Super Pole vor seinem Teamkollegen Duval. Während der Belgier im Vorjahr in Berlin bereits triumphierte, ist es bei Duval eine Frage der Zeit für den ersten Formel-E-Sieg.

Die beiden DS-Virgin-Piloten Sam Bird und Jean-Eric Vergne gehören ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis. Vergnes Formkurve zeigt steil nach oben, mit dem Ex-Formel-1-Piloten ist zu rechen. „2015 lief es hier gut für mich, weshalb ich mich noch mehr auf das Rennen freue“, so der Franzose, der im Vorjahr Platz sechs erzielte. Bird hatte zuletzt einen Ausfall (Batterieprobleme) in Uruguay zu verzeichnen, der Brite will aber in Argentinien die Scharte auswetzen, um den Anschluß im Titelkampf nicht zu verlieren.

Außenseiterchancen:

Vorjahressieger Felix da Costa (Aguri) werden mit dem Gesamtpaket aus Saison eins eher geringe Chancen eingeräumt, seinen Vorjahressieg zu wiederholen. An dessen Seite feiert Rückkehrer Salvador Duran seine Saisonpremiere im Aguri-Team feiert.

Bruno Senna (Mahindra) hat erwartungsgemäß großen Rückhalt vor heimischen Publikum und möchte nach dem enttäuschenden Abschneiden (Platz 16) in Uruguay wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren.
Eine Premiere gibt es im Venturi-Team. An der Seite von Stephane Sarrazin steigt erstmals Mike Conway ins Cockpit des monegassischen Teams, der Jacques Villeneuve ersetzt. Der Brite gibt in Argentinien seinen Formel-E-Einstand.

Wie das Aguri-Team geht Amlin Andretti mit dem Vorjahresantrieb an den Start. Daher werden es Robin Frijns und Simona de Silvestro schwer haben, Buemi & Co ernsthaft zu gefährden. Der Niederländer Frijns zeigte aber bei der Hitzeschlacht von Malaysia seine Klasse und feierte dort mit Platz drei seinen ersten Podestplatz. Falls die Konkurrenz erneut Hitzeprobleme mit den Batterien erleidet, steht das US-Team zur Stelle und könnte für eine Überraschung sorgen.

Ein großes Fragezeichen steht hinter Titelverteidiger Nelson Piquet jr. Der NextEV TCR –Pilot erlebt bisher einen desaströsen Saisonverlauf, zwei Ausfälle und Platz acht in Malaysia sind eine enttäuschende Bilanz für den Brasilianer. Der Doppelmotor des chinesischen Teams ist mit je mindestens 20 Kilogramm Gewicht zu schwer und kann mit der Konkurrenz nicht mithalten. Das Auto von Piquet jr. und Teamkollege Oliver Turvey liegt extrem instabil auf der Straße, zuletzt leistete sich der Formel-E-Meister in Uruguay einen heftigen Crash, der glimpflich verlief. Bei Next EV TCR planen die Verantwortlichen bereits für Saison drei und es wird stark vermutet, dass die Chinesen auf ein anderes Antriebskonzept setzen werden.

Eurosport sendet im deutschen Free-TV live ab 20:00 Uhr (MEZ) den ePrix aus Buenos Aires. Oliver Sittler kommentiert zusammen mit DTM-Pilot Timo Scheider das Rennen.

Hier der Zeitplan von Buenos Aires, 6. Februar (MEZ):

12:15 Uhr – 13:00 Uhr Freies Training 1

14:30 Uhr – 15:00 Uhr Freies Training 2

16:00 Uhr – 16:06 Uhr Qualifying Gruppe 1

16:10 Uhr – 16:16 Uhr Qualifying Gruppe 2

16:20 Uhr – 16:26 Uhr Qualifying Gruppe 3

16:30 Uhr – 16:36 Uhr Qualifying Gruppe 4

16:45 Uhr – 17:00 Uhr Super-Pole

20:00 Uhr Rennen (33 Runden)

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