Formel E: Hans-Jürgen Abt : „Daniels Zeit wird kommen“

Hans Jürgen Abt, Formel E_DTM (c)Erich Hirsch

Der dritte Saisonlauf in Punta del Este steht ganz im Zeichen des Duells Abt gegen e.dams. Nach dem Erfolg von Putrajaya kommt das deutsche Team mit viel Rückenwind nach Südamerika. Die Führung in der Fahrer- und Teammeisterschaft will die Kemptener Mannschaft um Teamchef Hans-Jürgen Abt verteidigen. Vor dem Gastspiel in Uruguay sprachen wir mit 53-Jährigen exklusiv über die Ausgangssituation.

Was war der Grundstein für den Sieg von Lucas di Grassi beim ePrix in Malaysia?

„Wir haben uns wirklich sehr gut vorbereitet. Die Dinge, die beim Saisonauftakt in Peking nicht so rund liefen, versuchten wir auszusortieren. Wie das Ergebnis zeigt, ist uns das sehr gut gelungen.

Es war nicht zu übersehen, dass wir in den Trainingssessions und im Qualifying näher an die e.dams-Mannschaft herankamen. Die Zuverlässigkeit unserer beiden Autos war extrem wichtig in Putrajaya. Das Batteriemanagement und die ausgefeilte Strategie trugen ihr Übriges zu diesem Erfolg bei. Die Autos haben hervorragend funktioniert, und die Fahrer haben sich ebenfalls professionell auf die vorherrschenden Gegebenheiten vorbereitet, besonders was die Hitze betraf.“

Kann man heute schon behaupten, dass der neue Schaeffler-Antrieb ein voller Erfolg ist?

„Ja. Das Konzept muss nur in allen Lagen passen. Man hat in Malaysia gesehen, dass ein Hitzerennen anders verläuft als ein Rennen unter normalen Umständen. Daher haben wir noch sehr viel Arbeit vor uns. Wir stecken immer noch in den Kinderschuhen. Mit der Führung in der Fahrer- und Teammeisterschaft können wir mehr als zufrieden sein. Das hätte zu Saisonbeginn niemand vermutet, dass wir als Privatteam ganz vorne stehen. Wir fühlen uns sehr wohl und glauben, dass wir in den nächsten Rennen weiter stark bleiben. Der Anfang ist gemacht, für das Team war der Putrajaya ePrix ein Megaerfolg. Wir werden uns aber auf diesem Sieg sicher nicht ausruhen.“

Gab es für das Abt-Team überhaupt Probleme in Malaysia?

„Wir haben nur ein Problem mit dem Auto von Daniel beim Boxenstopp gehabt, als es nicht losfuhr. Das Problem in dieser Form hatten wir bisher nicht und kannten wir auch nicht. In Peking hatten wir ein ähnliches Problem. Gott sei Dank war es nur an einem Auto.

Für Daniel war es sehr schade, denn er lag nur knapp hinter Lucas, und ein zweiter Platz wäre dank seiner Performance möglich gewesen. Wir haben das inzwischen systematisch und akribisch aufgearbeitet und hoffen, gestärkt in die nächsten Rennen zu gehen.“

Hat das Team das Problem an Daniels Auto inzwischen lokalisieren können?

„Nein, noch nicht ganz. Wir wissen nicht, ob es ein Hardware-Problem war, oder ob die Elektrik der Übeltäter war.“

Für die Meisterschaft ist es nicht im Interesse der Fans, wenn die e.dams-Mannschaft dem Rest des Feldes davonfährt. Sehen Sie das genauso?

„Das kann man so oder so sehen. Der Rennsport kann hart, aber auch herzlich sein. Man sieht es doch in der Formel 1. Der Beste soll natürlich gewinnen. Man muss es respektieren. Wir, das Abt-Team, sind alte Racer, wir haben größten Respekt vor dieser Leistung. Wir arbeiten für uns und wir arbeiten das ab, was wir können.

Man sieht, dass die Performance nicht allein ausschlaggebend für Erfolg ist, sondern auch die Zuverlässigkeit muss stimmen. Da haben wir einen kleinen Schritt voraus gemacht. Sicher müssen wir uns bei der Performance verbessern. e.dams ist die Benchmark der Serie, sie sind das gejagte Team und werden es auch weiterhin bleiben. Wir erheben nicht den Anspruch, wir müssen alles gewinnen. Wir sind mit jedem Sieg happy. Vom Gesamtpaket sind wir in der Lage, um Siege mitzufahren und erfolgreich zu sein.“

Team Abt,FIA Formula E, 02 Kuala Lumpur (c)Abt

Die Pause zwischen Putrajaya und dem kommenden ePrix in Punta del Este war lang. Was macht ein Teamchef in der Zwischenzeit, zumal auch in der DTM Winterpause ist?

„Es gibt immer Arbeit. Wir wollen ja schließlich weiterkommen. Dass wir nicht die Schnellsten sind, hat man gesehen. Wir haben den Ansporn und den Antrieb, alles dagegen zu unternehmen. Wir haben viel zu organisieren, die Formel E ist ein riesiges Organisationsthema. Im Detail liegt der Erfolg. An der Software, an der Applikation der kompletten Antriebsthematik und an der Zuverlässigkeit haben wir für Uruguay akribisch gearbeitet. Das ist alles sehr komplex, das muss man ehrlich zugeben. Die Komplexität ist aber lösbar und ein Lernprozess. Das macht enorm viel Spaß, wir sind alle sehr motiviert und kommen konzentriert nach Punta del Este.“

Daniel Abt hat die knifflige Situation, als sein Auto beim Fahrzeugwechsel in Malaysia nicht losfuhr, sehr gut gemeistert. Er blieb ruhig, reagierte cool und ließ keine Nervosität aufkommen. Lernen die heutigen Piloten, mit solchen Stresssituationen umzugehen?

„Das sind positive Werte, die man sich im Leben erarbeitet. Mit Gewalt läuft rein gar nichts. Es zeigt seinen starken Charakter, den ich an Daniel sehr schätze, also wie er mit diesen Situationen umgeht. Wenn man die Performance oder die Pace hat wie er, der ein guter Rennfahrer ist, dann kann die Technik immer mal streiken. Ich zolle ihm großen Respekt, dass er so geduldig bleibt und das Team weiter tatkräftig unterstützt. Er bietet der Technik Paroli und sagt, dass die neue Technik immer mal streiken kann. Das ist sehr wegweisend. In seinen jungen Jahren erlebt er viele Sachen, bei denen er sich in Geduld üben muss. Seine Zeit wird kommen, in der er ganz vorne liegt.“

Kommen wir zum nächsten ePrix nach Punta del Este. Sie mögen die Strecke mit Strand und Sonne…

„Wir freuen uns auf jede Strecke in der Formel E. Wir schätzen Uruguay. Von außen betrachtet hat es eher den Freizeitcharakter, aber es wird wieder ein schweres und heißes Rennen geben. Es ist sehr sandig, es wird wieder viel passieren, die Spannung im Feld bleibt jedenfalls erhalten.“

Wird es ein ähnlich spannendes Rennen wie zuletzt in Malaysia?

„Wenn es nach den normalen Statuten geht, auf alle Fälle. Keiner weiß genau, wer am Ende vorne liegt. Das ist ja das Interessante an der Formel E, sie ist immer für eine Überraschung gut. Unser Ziel bleibt, die Führung in den beiden Meisterschaften in das neue Jahr hinein zu verteidigen.“

Wann gönnen Sie sich eine Verschnaufpause, die DTM befindet sich mittlerweile im Winterschlaf?

„Ich genieße die Formel E sehr. Unsere Strukturen sind so ausgelegt, dass die Verantwortung klar geteilt ist. Solange es mir Spaß macht, mache ich diesen Job. Das Pflänzchen Formel E liegt mir sehr am Herzen, und wir möchten mit dabei sein, wenn sie weiter wächst.“

Und wie halten Sie sich fit für den kräfteraubenden Job?

„Es spielt sich alles im Kopf ab. Wenn man von der Sache überzeugt ist und selbst zufrieden ist, sich fit hält und den Lebensstandard danach aufbaut, funktioniert der Job. Ich würde nie etwas machen, das mir keinen Spaß bereitet. Diese Themen schenken mir sehr viel Freude, ich habe ein sehr tolles Team um mich herum und eine sehr große Familie, die zusammenhält.“

Das Abt-Unternehmen feiert 2016 ein Jubiläum: 120 Jahre Abt. Ist da etwas Spezielles geplant?

„Wie sind momentan dabei zu strukturieren, was wir machen wollen. Es ist klasse, dass wir die Feier alle fünf Jahre veranstalten.“

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