DTM: Pressesprecher Liechti: Norisring ist etwas Besonderes

Lorenz Liechti,DTM-Pressesprecher (c)Erich Hirsch

Gestern habt Ihr im Ersten Teil des Interviews erfahren, was DTM-Pressesprecher Lorenz Liechti in der langen DTM-Pause bis 2016 macht und welche schönen Erinnerungen der 39-Jährige an seine Zeit als Leiter im Medien & Kommunikationsbereich des Schweizer Skiverband Swiss-Ski verband. Im Zweiten Teil des Interviews geht es um das abgelaufene Jahr der DTM, wie er mit den Medien zusammenarbeitet und welche Motorsportserien auch für die DTM von Interesse sind.

2017 soll die DTM die internationale Bühne in Japan betreten. Wie ist der Stand der Dinge?

Liechti: Es ist ein Prozess, der momentan intensiv diskutiert wird. Man kann aber noch nichts Konkretes dazu sagen.

Wie kannst Du Privatleben und dem oft hektischen Motorsport-Wochenenden vereinbaren?

Im Skisport war ich in fünf Monaten 20 Wochenenden von zu Hause weg. Das war auch einer der Gründe, warum ich den Skisport verlassen habe. Der Job an sich hat mir sehr gut gefallen, aber es wurde mir zu viel. In der DTM sind es neun Wochenenden, die auf sechs Monate verteilt sind. Da ist es kein wirklicher Stress. Es ist mindestens immer ein Wochenende Pause zwischen den Rennen, das macht es sehr angenehm.

Wie hältst Du dich in deiner Freizeit fit?

Ich gehe noch ein bisschen Schwimmen oder setze mich aufs Rad. Kein Vergleich aber zum Trainingsaufwand von früher…

Welche Location hat Dir in der abgelaufenen Saison der DTM denn am besten gefallen?

Das ist eine sehr gute Frage. Da muss ich mal überlegen. Der Norisring, da dort von der Strecke und der Atmosphäre her eine spezielle Stimmung ausgeht. Dort sind die Menschenmassen so nah und sichtbar, überall herrscht Gedränge.

Spielberg hat mir auch sehr gut gefallen, die Infrastruktur ist hervorragend und topmodern. Die neuen Gebäude, das Pressezentrum und natürlich die Strecke selbst, die mitten in der Natur liegt.

Ich kann kein Negativbeispiel nennen, wo es mir nicht gefallen hat.

Apropos Spielberg. Das Medienecho nach dem Skandalrennen war schon enorm, oder?

Es war sicherlich sehr groß. Ganz interessant ist die Tatsache, dass viele Menschen, die normalerweise nicht mit der DTM in Berührung kommen, das Rennen wahrgenommen haben. Ich glaube aber, dass diese negative Geschichte der DTM trotzdem nicht geschadet hat, auch wenn es für die Direktbeteiligten unangenehm und teilweise unfair war. Die Reaktionen der Medien hätten durchaus noch heftiger sein können.

Welche negativen Erfahrungen hast Du als ‚Rookie‘ gesammelt, mit denen Du überhaupt nicht gerechnet hast?

So richtig überrascht wurde ich eigentlich nicht. Als Pressesprecher ist man grundsätzlich immer im Sandwich. Auf der einen Seite sind die Medien und Journalisten, die zu Recht den Anspruch haben, Informationen zu bekommen, Aussagen zu erhalten und Interviewtermine. Auf der anderen Seite hat man die Interessen der Fahrer und Entscheidungsträger. Es ist nicht immer leicht, das miteinander zu vereinbaren. Es ist aber genau die Herausforderung, die ich an meinem Job mag.

Dein Draht zu den Journalisten ist sehr gut, wie ich beobachtet habe?

Ja, schon. Es gibt Pressesprecher, für die sind Medienvertreter fast schon ein Feindbild, da sie Dinge sagen oder schreiben, die ihnen nicht so passen. Ich nehme die Kritik nie persönlich, höchstens dann, wenn sie unangebracht oder etwas falsch dargestellt wird. Ich kann gut damit leben und umgehen, wenn es sachlich und begründet ist. Das hält einen zwischendurch den Spiegel vor und es ist auch Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen. Wir machen am Ende alle nur unseren Job.

Du bist nah dran an die Piloten. Vor Saisonbeginn kanntest Du die DTM-Piloten nicht. Wie läuft so etwas ab?

Das Kennenlernen verlief ganz sportlich. Man sagt ‚Hallo‘, tauscht ein paar Worte aus. Es war mir von Anfang an klar, dass ich mir das Vertrauen der Fahrer erarbeiten muss. Das kann man nur, wenn man seinen Job macht und die Fahrer fair behandelt.

Sprichst Du mit den Fahrern auch über private Dinge?

Mit den Fahrern, die öfters in der Pressekonferenz zu Besuch sind, spreche ich etwas mehr, mit den anderen Fahrern habe ich weniger Kontakt. Am Rande einer Pressekonferenz kommt es schon vor, dass ich mit einzelnen Fahrern über private Sachen rede.

Mit Audi-Pilot Nico Müller, deinen Landsmann…?

Wenn wir uns sehen, nutzen wir gerne die Gelegenheit, uns auf Schweizerdeutsch zu unterhalten.

Ist es überhaupt möglich, während einer Pressekonferenz kritische Fragen an die Fahrer und Hersteller zu stellen?

Manchmal muss man das sogar tun da es helfen kann, eine Situation oder ein Ereignis richtig einzuordnen. Es ist jedoch nicht meine Aufgabe, jemand zu provozieren oder gar auf dem Podium bloßzustellen.

Wie viele Medienvertreter akkreditieren sich an so einem Wochenende wie hier beim Saisonfinale am Hockenheimring?

Wir haben 200 Journalisten, die ein Permanent-Ticket haben. Davon kommen je nach Rennen zwischen 50 und 150 Journalisten. Hier beim Saisonfinale sind weitere 190 Journalisten akkreditiert. Dann kommen noch TV-Mitarbeiter, insbesondere Techniker und Kameraleute, hinzu, die nicht auf meiner Liste stehen. An die 500 Personen kommen da an einem Rennwochenende schon zusammen. Bei den beiden Rennen in Hockenheim (Saisonbeginn und Saisonfinale), am Norisring und am Nürburgring waren die meisten Journalisten zu Gast.

Die DTM kämpft wie anderen Serien gegen den Zuschauerschwund. Hast Du Ideen eingebracht, um die DTM weiter zu verbessern?

Das ist auch ein Grund, weshalb ich von der ITR verpflichtet wurde. Sie wollten jemanden, der von außen kommt und eine andere Sicht hineinbringt.

Man muss sich immer wieder fragen, was man noch besser machen kann. Es ist nicht ein Kampf gegen den Zuschauerschwund. Es ist eher ein sportliches Messen gegen andere Unterhaltungsveranstaltungen. Die Leute suchen Unterhaltung und sind bereit, Geld dafür auszugeben. Sie haben eine große Auswahl und können zum Fußball, zum Eishockey, zum Konzert gehen oder eben zur DTM. Unsere Aufgabe ist es, ein Paket zu schnüren, das möglichst viele Zuschauer anspricht,. Das ist unsere Ziel und unser Anspruch.

In der neuen Motorsportserie Formel E gehen die Verantwortlichen ganz neue Wege, um die Fans näher an das Geschehen einzubinden, wie FanBoost. Sind solche Elemente auch in der DTM denkbar?

Solche Sachen muss man immer beobachten und offen sein. Wir müssen uns auch in anderen Serien umsehen, was andere machen, was funktioniert und was eben nicht. FanBoost von der Formel E oder Push-to-Pass vom Audi TT Cup sind solche Beispiele.

Du lebst in der Schweiz, arbeitest in Stuttgart, wie funktioniert das ständige Hin und Her?

Ich komme jede Woche nach Stuttgart, arbeite aber auch teilweise von der Schweiz aus. Für meine Arbeit spielt es oft keine so große Rolle, wo ich sitze.

Wie lange läuft dein Vertrag mit der ITR?

Bis auf weiteres – oder bis eine der beiden Seiten nicht mehr will.

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