Erster Saisonsieg für Mercedes-Pilot Pascal Wehrlein

© Erich Hirsch

The same procedure as every year. Der Norisring bleibt weiterhin eine Heimstrecke für Mercedes. Pascal Wehrlein gewinnt sein erstes Saisonrennen und beschert damit Mercedes den ersten Saisongewinn.

In beeindruckender Manier belegten die Stuttgarter im Samstagsrennen die ersten vier Plätze. Strahlender Sieger war der Youngster Wehrlein, der Mercedes-Benz den zwölften Erfolg auf dem Nürnberger Stadtkurs sicherte. Nach 46 Runden überquerte der 20-Jährige vor seinen Markenkollegen Robert Wickens und Gary Paffett die Ziellinie und feierte den zweiten DTM-Sieg seiner Karriere.

Audi muss weiter auf einen Heimsieg warten. Tabellenführer Jamie Green mit Platz sieben war der einzige Pilot der Ingolstädter, den den Sprung in die Top Ten schaffte. BMW gelang mit vier Piloten in die Top Ten. Vor dem fünften DTM-Rennen der Saison hatten die Teams eine schwierige Wahl zu treffen: Regen- oder Trockenreifen? Nach einer dramatischen und spannenden ersten Rennhälfte auf abtrocknender Strecke konnten letztlich beide Taktiken als Erfolg gewertet werden – besonders aus der Sicht von Mercedes-Benz.

„Mein Rennen hat vor allem in den ersten 20 Runden stattgefunden“, sagte der glückliche Sieger Wehrlein, denn anders als die meisten seiner Markenkollegen setzte sein HWA-Team beim Start auf Slicks. Aufgrund heftiger Regenschauer kurz vor Rennbeginn eine äußerst riskante Entscheidung. „Die habe auch nicht ich, sondern mein Ingenieur getroffen“, verriet Wehrlein.

Nach zehn Rennrunden sprach zunächst vieles dafür, dass es die falsche Entscheidung war. Sieben Piloten hatten sich für die Regenpneus entschieden, zogen dem Rest des Feldes auf und davon und machten in den ersten Minuten teils über vier Sekunden pro Runde gut. Allen voran Pole-Mann Christian Vietoris, der das Feld vor seinen Markenkollegen Gary Paffett, Robert Wickens und Paul Di Resta anführte.

Martin Tomczyk hielt als Fünfter zunächst die BMW-Fahne hoch, mit Daniel Juncadella folgte ein weiterer Mercedes-Pilot auf Regenreifen. Wie überlegen diese Variante in der ersten Rennhälfte war, zeigt das Beispiel Mike Rockenfeller. Der war von Platz 22 ins Rennen gestartet und katapultierte sich innerhalb von neun Runden auf Platz sieben. Als die Strecke jedoch weiter abtrocknete war allen klar, dass ein Wechsel von Regen- auf Trockenreifen unumgänglich ist. Zwischen Runde 14 und 19 gingen alle sieben Fahrer mit ihren Regenreifen an die Box – alle sieben kamen auf Slicks hinter Wehrlein wieder heraus.

Der zuvor herausgefahrene Vorsprung war zu gering – zwei Sekunden fehlten Christian Vietoris, der sich als neuer Zweiter hinter seinem Markenkollegen einordnete. Wehrlein: „Es war extrem schwer das Auto mit Slicks auf der Strecke zu halten. Das war aufregend und anstrengend zugleich. Mein Ziel war es nach den Boxenstopps vorne zu sein. Das hat glücklicherweise funktioniert. Danach musste ich das Rennen eigentlich nur noch nach Hause fahren.“

Schließlich konnte sich der 20-Jährige der Schützenhilfe seiner Markenkollegen gewiss sein. Robert Wickens, Gary Paffett und Christian Vietoris kämpften hinter ihm um die Plätze zwei und drei. In der 21. Runde zog zunächst Wickens am zweitplatzierten Vietoris vorbei, bevor Paffett es ihm zwei Umläufe später gleich tat und Platz drei übernahm. Dann aber hatten die vier Mercedes-Benz-Fahrer genug – die Reihenfolge hatte über die weiteren 23 Runden bis ins Ziel bestand.

„Ich bin absolut nicht wütend darüber, dass wir uns am Start für die Regenreifen entschieden haben“, sagte Wickens. „Das war eine gute Strategie. Fast wäre sie aufgegangen, aber Pascal hat das auf den Slicks richtig gut gemacht.“ Zufrieden war auch der Dritte, Gary Paffett: „Es ist immer toll, wenn man um Siege und Podestplätze kämpfen kann. Unsere Reifenwahl war eine absolute Last-Minute-Entscheidung.“

Ganz und gar nicht zufrieden konnte Paul Di Resta mit dem Ausgang des Rennens sein. Der Brite war nach seinem Boxenstopp ebenfalls aussichtsreich positioniert, als Jamie Green seinen Mercedes-AMG C63 DTM im Schöller-S von hinten touchierte – Di Restas Auto drehte sich, das Rennen war für ihn beendet.

Ein Zusammenstoß, der für den Gesamtführenden Green nach kurzer Untersuchung durch die Rennkommissare ohne Folgen blieb. Der Audi-Pilot hielt sich ansonsten aus allen Duellen auf der Strecke heraus, konnte am Samstag im Kampf um einen Podestplatz aber nicht mithalten. „Vielleicht wäre ein wenig mehr möglich gewesen, aber ich wollte kein Risiko eingehen. Als Gesamtführender kommt es auf die Punkte an. Insofern bin ich zufrieden“, sagte Green, der den ersten Lauf als bester Audi-Fahrer auf dem siebten Platz beendete. Sein Audi RS 5 DTM hatte neben den vier Mercedes auch gegen zwei BMW das Nachsehen. Bruno Spengler schaffte den Sprung von Startplatz 13 auf fünf.

„Hut ab vor dem Team. Die Entscheidung auf Slicks zu starten, war die richtige. Ich konnte sogar im Nassen Druck machen. Auch am Ende war meine Geschwindigkeit noch hoch. So konnte ich den Abstand nach Vorne sogar noch ein wenig verkürzen“, sagte der Kanadier. Auch Martin Tomczyk zog in der 40. Runde an Green vorbei und sicherte sich durch sein Manöver den sechsten Rang.

Nach fünf Rennen führt Jamie Green die Fahrerwertung nun mit 81 Punkten vor seinen Audi-Kollegen Mattias Ekström und Edoardo Mortara (beide 58 Punkte) an. Pascal Wehrlein hat durch seinen Sieg aber reichlich Boden gut gemacht. Als Viertplatzierter in dieser Statistik hat er nun 57 Punkte auf dem Konto. Schon morgen kann er den Sprung in die Top-Drei schaffen. Um 15.15 Uhr wird der zweite Lauf auf dem Norisring gestartet. Die Startpositionen werden im Qualifying ab 11.40 Uhr ausgefahren.

 

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